Grazer Stadtschreiber:in


Auf Einladung der Stadt Graz verbringen Schriftsteller:innen aus Österreich und anderen Staaten einen begrenzten Zeitraum (1 Jahr) als Gäste in Graz.

Die Idee des traditionellen Stadtschreibers des Mittelalters, der bei Ratssitzungen als Protokollführer diente, wurde wieder aufgegriffen und neu definiert. Die eingeladenen Schriftsteller:innen erhalten die Möglichkeit, ohne finanziellen Druck ihrer literarischen Tätigkeit nachzugehen und sich mit der Atmosphäre und der Kulturszene der Stadt auseinanderzusetzen.

Die Ausschreibung "Grazer Stadtschreiber:in" richtet sich nur an Literat:innen bzw. Autor:innen (Prosa, Lyrik, Theater)! (siehe Richtlinien)
Die Bewerbung ist ausschließlich per Mail an kulturamt@stadt.graz.at möglich, die Bewerbungsunterlagen müssen ohne Ausnahme im Pdf-Format übermittelt werden!
Die Einreichfrist für die Bewerbung war der 31. März 2022.

Die derzeitigen Jurymitglieder sind:


Drin Alexandra Millner
Andrea Stift-Laube
MMaga Bakk. Silvana Cimenti
Mag. Paul Pechmann
Christoph Szalay, MA BA


"Neuer" Stadtschreiber (September 2022 - August 2023):

Abdelaziz Baraka Sakin

Jurybegründung:
Der 1963 im Sudan geborene Abdelaziz Baraka Sakin gilt als eine der bedeutendsten Stimmen der arabisch-sprachigen Literaturen in der europäischen Diaspora. Er begann seine literarische Karriere im Sudan als Prosa-Autor, wo seine Bücher bald von den islamistischen Machthabern verboten wurden. Im Exil fanden seine Arbeiten internationale Resonanz und wurden mehrfach prämiert (v.a. in Frankreich). Von seinen Texten liegen mittlerweile Übersetzungen in 10 Sprachen vor. Mit der vor kurzem erschienenen deutschen Übersetzung von „Der Messias von Darfur“ ist nun der Weg zu einer breiteren Rezeption dieses Autors auch im deutschen Sprachraum bereitet.

Abdelaziz Baraka Sakins Romane und kürzere Prosa-Arbeiten behandeln Themen globaler Brisanz, fokussiert auf das Erleben, Denken und Empfinden der/des Einzelnen. Es sind – was die soziale Situierung der Figuren angeht – durchwegs Geschichten von unten, die mit großer Empathie von Abgehängten, Verfolgten und Vertriebenen erzählen, die in sogenannten „Leitmedien“ – wenn überhaupt – nur in quantifizierender Berichterstattung, etwa über Kriege und humanitäre Katastrophen vorkommen. Der Autor schreibt über geopolitische Brennpunkte seiner Herkunftsregion, die er als Mitarbeiter von NGO-Projekten selbst kennengelernt hat. Aus eigener Erfahrung und Anschauung weiß er Bescheid sowohl von individuellen Sehnsüchten der Menschen und falschen Glücksversprechungen der Demagogen, aber auch vom Getriebe der Systeme, die jedwede Hoffnung annihilieren. In seinen Romanen erweist sich Abdelaziz Baraka Sakin als scharfsinniger Beobachter von sozio-ökonomischen Realitäten und überzeugt nicht zuletzt als präziser Analytiker von Mythen und Ideologien. Der Uneigentlichkeit technokratischer Regime und abstrusem Irrationalismus begegnet der Erzähler mit Ironie, Satire und schwarzem Humor.

Das von Abdelaziz Baraka Sakin im Rahmen seiner Bewerbung eingereichte Romanprojekt wird u.a. auch Graz zum Schauplatz haben: als Passage und vorläufigen Endpunkt individueller Migrationsbewegungen. Die literarische Verarbeitung und ästhetische Transformation von Abdelaziz Baraka Sakins Recherche im Rahmen des Stipendiums als Grazer Stadtschreiber verheißt für eine an anspruchsvoller und gehaltvoller Erzählliteratur interessierte Öffentlichkeit und darüber hinaus exzeptionellen Gewinn.


"Aktueller" Stadtschreiber (September 2021 - August 2022):

Florian Neuner

Jurybegründung:
Der 1972 in Wels in Oberösterreich geborene Florian Neuner wirkt seit zweieinhalb Jahrzehnten als Autor, Herausgeber (u.a. der Zeitschrift idiome), als kritischer Kommentator (Deutschlandradio) und Organisator von Veranstaltungen (Maerz Literatur, Linz) mit beachtlicher Konsequenz im Sinne avantgardistischer Ästhetiken.

In Abgrenzung zu jeglichem Betriebsspektakel versteht Neuner Literatur als Sprachkunst, der kraft formaler Innovation durchaus Potentiale zum Erkenntnisgewinn zuzuschreiben sind. Städte, bzw. die Stadt, nimmt sich Neuner nicht bloß als Schauplatz, sondern macht diese zu Protagonisten einer Literatur, welche die Grenzen zwischen Erzählung, Essay und Formexperiment transzendiert und in der poetologischen Auseinandersetzung mit dem Material jeweils spezifische, neue und hybride Formen entwickelt. In Bezugnahme auf avancierte Theorien der Stadtforschung (Situationisten u.a.) und mit großer Empathie für die Betroffenen urbaner Entwicklungen und Fehlplanungen begibt sich der Autor auf psychogeographische Erkundungen, deren Ergebnisse stets ins Offene, von „konfektioneller Belletristik“ nicht betretenes Gelände führen.

Bücher wie „Ruhrtext“ (2010) oder „ROST“ (2020), Erschreibungen des größten industriellen Ballungsraums Europas, bzw. des sog. „Rust Belt“ im Mittleren Westen der USA, bezeugen auf beeindruckende Weise die Sonderstellung des Autors Florian Neuner als literarischen Stadtschreiber von paradigmatische Format.


Bisherige Stadtschreiber:innen:

2020/2021: Jana Radičević
2019/2020: Volha Hapeyeva
2018/2019: Kinga Toth
2017/2018: Radka Denemarková
2016/2017: Najem Wali
2015/2016: Ulrich Schlotmann
2014/2015: László Garaczi
2013/2014: Ivana Sajko
2012/2013: Dana Ranga
2011/2012: Barbara Marković
2010/2011: Jörg ALBRECHT
2009/2010: Fiston Mwanza
2008/2009: Péter Zilahy
2007/2008: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Nazar Hontschar
2006/2007: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Saša Stanišiæ
2005/2006: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maruša Krese
2004/2005: Kenka Lekovich
1996/2003: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Dževad Karahasan
1996: (1/2 Jahr) Boris L. Rahmanin
1994/1995: Gundi Feyrer
1993/1994: Franz Josef Czernin
1992/1993: Gert Jonke
1991/1992: Anselm Glück
1990/1991: Angela Krauß
1989/1990: Norbert Gstrein
1988/1989: Dr. Libuše Moníková


Betreuung


Die Betreuung erfolgt seit 1997 durch das Internationale Haus der Autoren (und Autorinnen) Graz (I.H.A.G.)
www.ihag.org


Richtlinien


Richtlinien für das Literaturstipendium eines/r "Grazer Stadtschreiber:in"

Guidelines for the literature scholarship "Grazer Stadtschreiber:in"


Einreichfrist

31.3.2022


KONTAKT:
Mag. Christian Mayer
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 3. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4940
Fax: +43/316/872-4909
e-mail: christian.mayer@stadt.graz.at

ABTEILUNGSLEITER
Michael A. Grossmann
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4900
Fax: +43/316/872-4909
e-mail: michael.a.grossmann@stadt.graz.at