Literaturstipendien

In der ersten Kulturbeiratssitzung am 4. März 2004 wurde über die Vergabe von Stipendien der Stadt Graz diskutiert und im besonderen ein Literaturstipendium angeregt.

Noch im selben Jahr wurde diese Anregung aufgenommen und umgesetzt: Die Stadt Graz vergibt jährlich je nach Budgetlage bis zu zwei Literaturstipendien.
Der Grazer Gemeinderat schuf auch für 2022 die Voraussetzungen für die Vergabe von Literaturstipendien der Stadt Graz. 2022 werden zwei Literaturstipendien in Höhe von je EURO 5.000,-- ausgeschrieben.

Ziel ist die Förderung von Grazer literarischen Talenten bzw. jener Literat:innen, die dadurch die Möglichkeit erhalten sollen, sich intensiv der Fertigstellung eines literarischen Werkes zu widmen. Die Stipendiat:innen erklären sich bereit, innerhalb eines Jahres ihre literarische Arbeit im Rahmen einer Lesung der Öffentlichkeit zu präsentieren und dieses Stipendium in ihren Biografien stets anzuführen.

Einreichfrist: 31.3.2022

Einreichungen ausschließlich in digitaler Form an kulturamt@stadt.graz.at.

Jury

  • Drin Alexandra Millner
  • Andrea Stift-Laube
  • Mag. Paul Pechmann
  • MMaga Silvana Cimenti
  • Christoph Szalay, MA BA

Stipendiat:innen 2022:


Die Stipendiat:innen 2022 sind Frau Maga Daniela Kocmut und Herr Martin Ohrt.

Jurybegründungen:
Maga Daniela Kocmut: Mit Daniela Kocmut erhält eine der zentralen Stimmen der Grazer Literaturlandschaft eines der diesjährigen Literaturstipendien. Seit Jahren Teil der Redaktion der LICHTUNGEN, sowie Übersetzerin aus dem Slowenischen, ist es vor allem ihre eigene lyrische Praxis, die zuletzt wieder stärker in den Vordergrund gerückt ist. 2013 erschien zweisprachig, in diesem Jahr schließlich Freitauchen in der Edition Keiper. Fabjan Hafner ist dem Band vorangestellt, sein Zitat Gedichteschreiben/ist Übersetzen/aus einer/Sprache,/die es/nicht/gibt. Kocmut versucht sich konsequent an dieser Sprache, lotet ihre Möglich- und Wirklichkeiten aus, nicht zuletzt aus der Position und Praxis der eigenen Zwei-, bzw. Mehrsprachigkeit und vor allem in Bezug auf scheinbare Alltäglichkeiten. Manchmal muss der Blick nicht weit schweifen, um die Welt großwerden zu lassen. So auch in dem von ihr eingereichten Projekt für ein Kinderbuch, das sich den gelebten und erfahrenen Alltagen von Kindern getrennter Eltern widmet.
Dafür und im Ausblick auf alles Kommende soll das Literaturstipendium der Stadt Graz ein Stück des Weges helfen.


Martin Ohrt: Martin Ohrt ist in Graz, der Steiermark und in Österreich vor allem für seine Arbeit als Leiter der 1992 von ihm gegründeten Jugend-Literatur-Werkstatt Graz bekannt. Was vor dreißig Jahren – inspiriert von der Stadt Leipzig – mit der Idee, eine Art „Dichterschule“ in der steirischen Hauptstadt aufzubauen, begann, blickt nunmehr auf regelmäßig stattfindende Werkstatt-Treffen, Workshops, Literaturwettbewerbe sowie zahlreiche Lesungen und Publikationen zurück. Ohrts Arbeit ist dabei stets vom Anspruch geleitet, das kindliche/jugendliche Schreiben zentral zu setzen, es mit gebührender Ernsthaftigkeit zu betrachten wie die hinter jedem Text stehenden Schreibenden. Viele namhafte Autor:innen, wie Theodora Bauer, Irene Diwiak, Georg Petz oder Gerhild Steinbuch, machten ihre ersten literarischen Gehversuche in der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz.
Weniger bekannt ist, dass Martin Ohrt auch selbst Autor, Dramatiker und Lyriker, ist. Ein Umstand, der vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass viele Jahre lang das eigene Schreiben hintangestellt wurde, die Förderung des literarischen Nachwuchses Priorität hatte.
Nun legt er Arbeitsproben des Stückes „Der Moordrache“ vor, mit dem er sich für das Literaturstipendium der Stadt Graz bewirbt. Es handelt sich dabei um ein Theaterstück für Kinder ab fünf Jahren, in dem die Themen Klimaveränderung und Umweltzerstörung, aber auch Kapitalismuskritik sowie Probleme der Kindheit altersadäquat verhandelt werden. Ohrt lässt zwei junge Mädchen (gemeinsam mit fantastischen Wesen) gegen scheinbar feststehende Strukturen ankämpfen und am Ende auch gewinnen: eine konsequente Fortführung seiner Haltung Kindern/Jugendlichen gegenüber ins eigene Schreiben hinein. Für sein stetiges Arbeiten mit und für die Literatur, insbesondere jener für und von Kindern und Jugendlichen, gebührt Martin Ohrt das Literaturstipendium der Stadt Graz zweifelsohne.


Stipendiat:innen 2021:


Die Stipendiat:innen 2021 sind Frau Marie Gamillscheg, Frau Maga Bettina Landl, Frau Maga Kateřina Černá und Herr Mag. Mario Hladicz.

Jurybegründungen:
Marie Gamillscheg: Der 1992 in Graz geborenen Marie Gamillscheg gelang es bereits mit ihrem Debutroman „Alles was glänzt“ sowohl die Leserschaft als auch die Kritik zu überzeugen. Derzeit arbeitet die Autorin an ihrem nächsten Roman „Im Namen des Vaters“, den sie als Projekt für das Literaturstipendium eingereicht hat. In ihm erzählt sie die Geschichte einer jungen Meeresbiologin, die über die Aufarbeitung der eigenen dysfunktionalen Vater-Tochter-Beziehung ihre Eigenwahrnehmung in Frage zu stellen beginnt. Der Roman, der zu großen Teilen in Graz spielt, entwickelt sich zu einer Suche nach Befreiung für die Protagonistin. Doch es wäre nicht Gamillscheg würde die inhaltliche Komponente sich nicht auch in der Art des Erzählens widerspiegeln. „Im Namen des Vaters“ sei auch die Suche „nach einer neuen Erzählform, abseits von gängigen männlich geprägten Narrativen“, schreibt die Autorin in ihrer Projektskizze. Ein Schreiben, das sich gegen patriarchale Strukturen zu stellen versucht, zu stellen weiß. Ein Erzählen, das sich der Entgrenzung verschrieben hat. Für diesen Zugang, das Ausloten der Möglichkeiten des Erzählens, für das ins Zentrum-Stellen der Bedürfnisse einer Geschichte in Bezug auf die narrative Gestaltung gebührt Gamillscheg dieses Stipendium zweifellos. Der Stadt Graz ist die Autorin auch durch Veröffentlichungen in den hier ansässigen Literaturzeitschriften manuskripte und Lichtungen verbunden. 2018 wurde sie zudem mit dem rotahorn-Literaturpreis ausgezeichnet.





Maga Bettina Landl: Bettina Landls Texte sind Sprachlaboratorien, in denen die Autorin die Bedeutungskerne der Wörter und deren Klangkörper spielerisch-assoziativ zu einander in Beziehung setzt. Sie ordnet die Wörter und Buchstabenfolgen so an, dass sich das lineare Schriftbild in ein räumliches Konstrukt transformiert. Dabei folgt sie konsequent philosophisch fundierten Konzepten. Im Falle des eingereichten Projekts reflektiert sie im und über das Medium der Sprache über die in diversen Diskursen in Mode gekommene Vorsilbe »trans-« und deren Bedeutung für das Verhältnis von „Ich“, „Er“, „Wir“ und „Du“ sowie über die Funktion des Textes als Vermittler zwischen Archiv und Publikum. Es ist ein zutiefst gesellschaftskritischer Grundgedanke, der Landls komplexes Schreibsystem motiviert.


Maga Kateřina Černá: Ein Ereignis. Ja. Das hat es gegeben. heißt es im Text Stadtkörper von Katerina Cerna. Ereignisse liegen häufig Cernas' Texten zugrunde, Ereignisse, die den Figuren in ihren Texten nahegehen, so sehr, dass sie eine Suchbewegung in Gang setzen, eine Suchbewegung hin zu einem anderen Möglichkeitsraum. Wie auch im eingereichten Romanprojekt Lichtjahre sind keine Ewigkeit, das zwei Schwestern auf einer gemeinsamen Reise zu ihrer möglicherweise sterbenden Mutter folgt. Cernas Figuren sind zurückgeworfen auf ihre Essenz, auf ihre Existenz, konfrontiert mit jenen Fragen, die diese ausmachen. Es ist ein Schreiben, das nicht nur körperlich nahegeht, indem es immer wieder ein Schreiben über Körperlichkeit ist, jene, die Spuren hinterlässt, sondern ein Schreiben, das sich vor allem seiner sozialen Rolle und Verantwortung bewusst ist, nicht zuletzt durch die Themen, die es aufgreift und die Kontexte und Umgebungen, aus denen ihre Figuren kommen und in denen sie sich bewegen. Ein Schreiben, das jede Intimität immer wieder in Bezug setzt zu einer gesellschaftlichen Realität, ein Schreiben, das dabei stets seine Zärtlichkeit behält, auch, wenn diese schmerzt.





Mag. Mario Hladicz: Mario Hladicz ist ein geborener Lyriker, und er bleibt Lyriker, auch wenn er Prosa schreibt. Das zeigt sich in jedem seiner Sätze. Mit sanfter Lakonie erkundet er Alltagsräume in Skizzen, die erst auf den zweiten Blick offenbaren, wie souverän sie komponiert wurden. Die lyrische Form reduziert Beobachtungen lakonisch und mit Witz aufs Wesentliche. Mario Hladicz` Literatur fordert dazu heraus, sie nicht als leichtgewichtig abzutun. Sie benötigt keine bunten Effekte, um zu schillern. Sie öffnet sich schnell dem Verständnis. Aber diese vorgebliche Einfachheit hat einen Grund und einen Hintergrund. Gibt es etwas Schöneres, als die Leser:innen einfach so in einen Text hineinzuziehen um sie dann erst auf einen zweiten Blick einzuladen? Es braucht besonderen Mut, geradewegs am Wort zu bleiben und daran entlang zu schreiben. Mario Hladicz leistet mit seiner Art zu dichten einen besonderen Dienst an der Literatur – das Stipendium soll ihn dabei unterstützen.





Bisherige Stipendiat:innen:


2020: Irene Diwiak, MA, Franziska Füchsl, Mag. Stefan Schmitzer
2019: Mag. Ursula Wiegele, Reinhard Lechner
2018: Valerie Fritsch, Thomas Raab, Thomas Antonic
2016: Maga Evelyn Schalk, Herr Egon Christian Leitner
2015: Cordula Simon, Mag. Alexander Micheuz
2014: Helwig Brunner, Christoph Szalay
2013: Sophie Reyer, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Helmut Schranz
2012: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Olga Flor, Christian Winkler
2011: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Angelika Reitzer, Dr. Max Höfler
2010: Natascha Gangl, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Lilly Jäckl
2009: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Gabriel Loidolt, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Mike Markart, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Martin G. Wanko
2008: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Georg Petz, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Günter Eichberger
2007: Gabriele Kögel, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Andrea Stift,
2006: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Wilhelm Hengstler, Bernhard Tockner
2005: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Sonja Harter, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Angelika Reitzer
2004: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Olga Flor, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Gerhild Steinbuch

Vergabekriterien


"Vergabekriterien für das Literaturstipendium"


KONTAKT:
Mag. Christian Mayer
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 3. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4940
Fax: +43/316/872-4909
e-mail: christian.mayer@stadt.graz.at

ABTEILUNGSLEITER
Michael A. Grossmann
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4900
Fax: +43/316/872-4909
e-mail: michael.a.grossmann@stadt.graz.at