Literaturstipendien

In der ersten Kulturbeiratssitzung am 4. März 2004 wurde über die Vergabe von Stipendien der Stadt Graz diskutiert und im besonderen ein Literaturstipendium angeregt.

Noch im selben Jahr wurde diese Anregung aufgenommen und umgesetzt: Die Stadt Graz vergibt jährlich je nach Budgetlage bis zu zwei Literaturstipendien.
Der Grazer Gemeinderat schuf auch für 2022 die Voraussetzungen für die Vergabe von Literaturstipendien der Stadt Graz. 2022 werden zwei Literaturstipendien in Höhe von je EURO 5.000,-- ausgeschrieben.

Ziel ist die Förderung von Grazer literarischen Talenten bzw. jener Literat:innen, die dadurch die Möglichkeit erhalten sollen, sich intensiv der Fertigstellung eines literarischen Werkes zu widmen. Die Stipendiat:innen erklären sich bereit, innerhalb eines Jahres ihre literarische Arbeit im Rahmen einer Lesung der Öffentlichkeit zu präsentieren und dieses Stipendium in ihren Biografien stets anzuführen.

Einreichfrist: 31.3.2022

Einreichungen ausschließlich in digitaler Form an kulturamt@stadt.graz.at.

Jury

  • Drin Alexandra Millner
  • Andrea Stift-Laube
  • Mag. Paul Pechmann
  • MMaga Silvana Cimenti
  • Christoph Szalay, MA BA

Stipendiat:innen 2021:


Die Stipendiat:innen 2021 sind Frau Marie Gamillscheg, Frau Maga Bettina Landl, Frau Maga Kateřina Černá und Herr Mag. Mario Hladicz.

Jurybegründungen:
Marie Gamillscheg: Der 1992 in Graz geborenen Marie Gamillscheg gelang es bereits mit ihrem Debutroman „Alles was glänzt“ sowohl die Leserschaft als auch die Kritik zu überzeugen. Derzeit arbeitet die Autorin an ihrem nächsten Roman „Im Namen des Vaters“, den sie als Projekt für das Literaturstipendium eingereicht hat. In ihm erzählt sie die Geschichte einer jungen Meeresbiologin, die über die Aufarbeitung der eigenen dysfunktionalen Vater-Tochter-Beziehung ihre Eigenwahrnehmung in Frage zu stellen beginnt. Der Roman, der zu großen Teilen in Graz spielt, entwickelt sich zu einer Suche nach Befreiung für die Protagonistin. Doch es wäre nicht Gamillscheg würde die inhaltliche Komponente sich nicht auch in der Art des Erzählens widerspiegeln. „Im Namen des Vaters“ sei auch die Suche „nach einer neuen Erzählform, abseits von gängigen männlich geprägten Narrativen“, schreibt die Autorin in ihrer Projektskizze. Ein Schreiben, das sich gegen patriarchale Strukturen zu stellen versucht, zu stellen weiß. Ein Erzählen, das sich der Entgrenzung verschrieben hat. Für diesen Zugang, das Ausloten der Möglichkeiten des Erzählens, für das ins Zentrum-Stellen der Bedürfnisse einer Geschichte in Bezug auf die narrative Gestaltung gebührt Gamillscheg dieses Stipendium zweifellos. Der Stadt Graz ist die Autorin auch durch Veröffentlichungen in den hier ansässigen Literaturzeitschriften manuskripte und Lichtungen verbunden. 2018 wurde sie zudem mit dem rotahorn-Literaturpreis ausgezeichnet.





Maga Bettina Landl: Bettina Landls Texte sind Sprachlaboratorien, in denen die Autorin die Bedeutungskerne der Wörter und deren Klangkörper spielerisch-assoziativ zu einander in Beziehung setzt. Sie ordnet die Wörter und Buchstabenfolgen so an, dass sich das lineare Schriftbild in ein räumliches Konstrukt transformiert. Dabei folgt sie konsequent philosophisch fundierten Konzepten. Im Falle des eingereichten Projekts reflektiert sie im und über das Medium der Sprache über die in diversen Diskursen in Mode gekommene Vorsilbe »trans-« und deren Bedeutung für das Verhältnis von „Ich“, „Er“, „Wir“ und „Du“ sowie über die Funktion des Textes als Vermittler zwischen Archiv und Publikum. Es ist ein zutiefst gesellschaftskritischer Grundgedanke, der Landls komplexes Schreibsystem motiviert.





Maga Kateřina Černá: Ein Ereignis. Ja. Das hat es gegeben. heißt es im Text Stadtkörper von Katerina Cerna. Ereignisse liegen häufig Cernas' Texten zugrunde, Ereignisse, die den Figuren in ihren Texten nahegehen, so sehr, dass sie eine Suchbewegung in Gang setzen, eine Suchbewegung hin zu einem anderen Möglichkeitsraum. Wie auch im eingereichten Romanprojekt Lichtjahre sind keine Ewigkeit, das zwei Schwestern auf einer gemeinsamen Reise zu ihrer möglicherweise sterbenden Mutter folgt. Cernas Figuren sind zurückgeworfen auf ihre Essenz, auf ihre Existenz, konfrontiert mit jenen Fragen, die diese ausmachen. Es ist ein Schreiben, das nicht nur körperlich nahegeht, indem es immer wieder ein Schreiben über Körperlichkeit ist, jene, die Spuren hinterlässt, sondern ein Schreiben, das sich vor allem seiner sozialen Rolle und Verantwortung bewusst ist, nicht zuletzt durch die Themen, die es aufgreift und die Kontexte und Umgebungen, aus denen ihre Figuren kommen und in denen sie sich bewegen. Ein Schreiben, das jede Intimität immer wieder in Bezug setzt zu einer gesellschaftlichen Realität, ein Schreiben, das dabei stets seine Zärtlichkeit behält, auch, wenn diese schmerzt.





Mag. Mario Hladicz: Mario Hladicz ist ein geborener Lyriker, und er bleibt Lyriker, auch wenn er Prosa schreibt. Das zeigt sich in jedem seiner Sätze. Mit sanfter Lakonie erkundet er Alltagsräume in Skizzen, die erst auf den zweiten Blick offenbaren, wie souverän sie komponiert wurden. Die lyrische Form reduziert Beobachtungen lakonisch und mit Witz aufs Wesentliche. Mario Hladicz` Literatur fordert dazu heraus, sie nicht als leichtgewichtig abzutun. Sie benötigt keine bunten Effekte, um zu schillern. Sie öffnet sich schnell dem Verständnis. Aber diese vorgebliche Einfachheit hat einen Grund und einen Hintergrund. Gibt es etwas Schöneres, als die Leser:innen einfach so in einen Text hineinzuziehen um sie dann erst auf einen zweiten Blick einzuladen? Es braucht besonderen Mut, geradewegs am Wort zu bleiben und daran entlang zu schreiben. Mario Hladicz leistet mit seiner Art zu dichten einen besonderen Dienst an der Literatur – das Stipendium soll ihn dabei unterstützen.





Stipendiat:innen 2020:


Die Stipendiat:innen 2020 sind Frau Irene Diwiak, MA , Frau Franziska Füchsl und Herr Mag. Stefan Schmitzer.

Jurybegründungen:
Mit ihrem Debütroman „Liebwies“, einer Kulturbetriebssatire, gelang Irene Diwiak 2017 international der Durchbruch. Es finden sich folgende Besprechungen u. a.: In der FAZ (28.12.2017): „Das wilde Debüt einer jungen Autorin: In Irene Diwiaks bitterbösem Roman ‚Liebwies‘ werden konsequent all jene gefeiert, die es nicht verdient haben.“ Und im Deutschlandfunk Kultur (28.7.2017, Andrea Gerk): „Ich bin begeistert von diesem Roman, weil er auch sehr österreichisch ist – ein bisschen boshaft, toll in der Sprachbehandlung.“ Irene Diwiak schreibt mit viel Phantasie, erfindet interessante Erzählperspektiven, wo sie gekonnt zwischen ernsten und humorvollen Perspektiven wechselt. Darin verpackt sie eine zeitlose Kritik am modernen Kulturgeschehen. So erzählt sie von den Protagonisten in einer maßlosen Gesellschaft mit ihrer vorherrschenden Geltungssucht und Gier nach Ruhm und Erfolg. Für September 2020 ist im Zsolnay Verlag bereits der nächste Roman mit dem Titel „Malvita“ angekündigt. In der Einreichung für das Stipendium der Stadt Graz wird das Exposé eines neuen Romans mit dem Titel „Sag Alex, er soll nicht auf mich warten“ angeführt. Der Roman wird auch den Anfang der Geschichte der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ als Geschichte einer Freundschaft erzählen. Die beiden Figuren Hans Scholl und Alexander Schmorell spielen die Hauptrolle, doch trennen sich deren Wege nach einiger Zeit, weil Scholl im Widerstandskampf der „Weißen Rose“ für ein neues demokratisches Deutschland kämpft, dagegen Schmorell, der auch Russisch spricht, eine Flucht nach Russland plant. Die Frage bleibt unbeantwortet, wie sein weiteres Schicksal ist. Der Autorin ist es bewusst, dass die Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ eine sehr bekannte Gruppe ist. Sie stellt jedoch die Frage: Wer sind die Menschen, die in diesem Umkreis wirkten? Irene Diwiak möchte diese Dunkelheit erhellen. Sie schreibt: „Durch gewissenhafte Recherche und hohe literarische Ansprüche möchte ich dem entgegenwirken und eine Geschichte erzählen, die noch heute bewegt und zum Nachdenken anregt.“ Man/frau kann gespannt auf das Ergebnis dieser neuen literarischen Arbeit von Irene Diwiak sein!

Franziska Füchsl hat in den letzten Jahren durch ihre literarischen Veröffentlichungen und Performances auf ihr beeindruckendes Sprachtalent, ihre ästhetische Sicherheit und ihren geradezu liebevoll zu nennenden Zugang zur Sprache aufmerksam gemacht. Diese kommen in den zum Teil von ihr selbst gestalteten bibliophilen Buchobjekten ebenso zum Ausdruck wie in ihren Sprech-Inszenierungen. Die junge Autorin hat es in der kurzen Zeit ihrer öffentlichen literarischen Aktivität bereits geschafft, eine markante eigene Position in der literarischen Landschaft des deutschsprachigen Raums einzunehmen. Nicht zuletzt zeugt auch ihr für das Literaturstipendium eingereichtes Projekt „O-O PINNOCCHÖ“ von der eigenwilligen und genauen Sprachgebung, der originellen Thematik und deren profunden Ausarbeitung ihrer Texte. Bei dem Projekt handelt es sich um einen Stücktext, der sich mit Carlo Collodis literarischer Figur des Pinocchio auseinandersetzt und dabei subkutan auf Kleists berühmten Essay „Über das Marionettentheater“ Bezug nimmt. Über die sprachspielerische Gegenüberstellung von Marionette, Marotte, Maschinist und Mensch gelangt die Autorin zu ästhetischen wie philosophischen Fragestellungen, die bereits in Texten historischer Avantgarden anklangen. Franziska Füchsls Textvorhaben ist von komplexem inhaltlichen Anspruch, ohne dabei an ästhetischer Wirkung oder Unterhaltungswert einzubüßen.

Mit Stefan Schmitzer erhält eine der zentralen Stimmen, nicht nur der Grazer, sondern der österreichischen Gegenwartslyrik eines der diesjährigen Literaturstipendien der Stadt Graz. Seit dem famosen Debüt moonlight on clichy (Droschl, 2007) versteht es Schmitzer wie wenig andere, Positionen in der Tradition und im Wissen um die Bedeutung der Avantgarde sowie des Beat nicht nur weiterzuführen, sondern sie kontinuierlich neu zu besetzen. Davon zeugen nicht nur die den Texten eminente gesellschaftspolitische Haltung, sondern vor allem auch deren Verfahrensweisen. Sprache wird bei Schmitzer zur permanenten An- und Umordnung von Material aus unterschiedlichsten Quellen, Registern, Genres und Disziplinen, die Praxis somit zur eminenten Grenzverschiebung, sowohl jener literarischen Genres als auch jener künstlerischer Disziplinen. Dies gilt ebenso für die eingereichten Projekte etena / liste der objekte auf dem mond, einer Geschichte jedes einzelnen menschengemachten Gegenstandes auf der Mondoberfäche, deren Rahmung und Korrelat das Epos um Etana, König der „ersten“ Stadt Kisch, wie es in der Bewerbung heißt, darstellt, sowie zirze. (das bessere europa. kein erdteil mehr.), einem Stück über europäische Identität bzw. dessen, was man dafürhält. the main timer in the computer has stopped heißt es in einem Abschnitt von etena / liste der objekte auf dem mond. Für Schmitzer und seine Arbeit mit Text wird dies mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht gelten, die Vergabe des diesjährigen Literaturstipendiums trägt hoffentlich zu dieser Weiterarbeit bei.


Bisherige Stipendiat:innen:


2019: Mag. Ursula Wiegele, Reinhard Lechner
2018: Valerie Fritsch, Thomas Raab, Thomas Antonic
2016: Maga Evelyn Schalk, Herr Egon Christian Leitner
2015: Cordula Simon, Mag. Alexander Micheuz
2014: Helwig Brunner, Christoph Szalay
2013: Sophie Reyer, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Helmut Schranz
2012: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Olga Flor, Christian Winkler
2011: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Angelika Reitzer, Dr. Max Höfler
2010: Natascha Gangl, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Lilly Jäckl
2009: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Gabriel Loidolt, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Mike Markart, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Martin G. Wanko
2008: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Georg Petz, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Günter Eichberger
2007: Gabriele Kögel, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Andrea Stift,
2006: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Wilhelm Hengstler, Bernhard Tockner
2005: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Sonja Harter, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Angelika Reitzer
2004: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Olga Flor, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Gerhild Steinbuch

Vergabekriterien


"Vergabekriterien für das Literaturstipendium"


KONTAKT:
Konrad Stachl
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4924
Fax: +43/316/872-4909
e-mail: konrad.stachl@stadt.graz.at

ABTEILUNGSLEITER
Michael A. Grossmann
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4900
Fax: +43/316/872-4909
e-mail: michael.a.grossmann@stadt.graz.at