SITZ
Info: plue23.at ↗
Foto: Gruppe 77

zufällig. Die Gruppe 77 setzt ihre Auseinandersetzung mit Alltagsdingen fort,
nach KUNSTRASEN und KUNSTBOX beschäftigen wir uns mit SITZ. Klapp-
stühle wechseln ihre Funktion und geraten in jedem Fall zu Artefakten innerer
und äußerer Wirklichkeit.
SITZ – ein Sessel, wie an seinem Erscheinungsbild zu erkennen ist.
Sitzfläche, Lehne, Beine – wir wissen aus Erfahrung, wofür das Ding gut ist.
Sein Real-sein besteht ganz allgemein im funktionalen Zweck zur Erfüllung
von Bedürfnissen nach Bequemlichkeit, Brauchbarkeit, leichter Aufbewahrung, ökonomischer Herstellung, Vertrieb. In seinen Eigenschaften:
gefällig, praktikabel, pflegeleicht.
Und was macht die Kunst samt ihren Diskursen mit so einem Ding? Zuweilen
hochtrabend, zuweilen klug bearbeitet sie die „Verklärung des Gewöhnlichen“
(Arthur C. Danto, ein Philosoph), die „Verwandlung des Banalen“ (Karlheinz
Lüdeking, ein Kunsthistoriker) in ein Objekt, dass sich anbietet, die Differenz
von alltagswirklichem Zeug und Kunstwerk zu hinterfragen, zugleich aber
auch die „ewige Neuheit“, die der Kunstbetrieb verlangt.
(Auszug aus Jutta Steiningers Vorwort in dem zur Ausstellung erscheinenden Katalog.)
Mit Werken von
Siegfried Amtmann, Veronika Dreier, Fria Elfen, Lis Gort, Alex Grimm,
Monika Eliette Jandl, Hans Jandl, Luise Kloos, Erwin Lackner, Erika Lojen,
Ingeborg Pock, Wolfgang Rahs, Werner Schimpl, Johannes Schweighofer,
Jutta Steininger, Edith Temmel und Krista Titz-Tornquist
Eröffnung 30. Mai 2026, 11:00 Uhr
31. Mai 2026, Fr 16:00 - 19:00 Uhr, Sa 11:00 - 14:00 Uhr
1. - 30. Juni 2026, Fr 16:00 - 19:00 Uhr, Sa 11:00 - 14:00 Uhr
Finissage 27. Juni 2026, 11:00 Uhr
31. Mai 2026, Fr 16:00 - 19:00 Uhr, Sa 11:00 - 14:00 Uhr
1. - 30. Juni 2026, Fr 16:00 - 19:00 Uhr, Sa 11:00 - 14:00 Uhr
Finissage 27. Juni 2026, 11:00 Uhr
Weitere Informationen
Sitz-Kunst-Stück
Zeit, Ort und Anlass zur Auseinandersetzung mit SITZ geschehen nicht zufällig. Die Gruppe 77 setzt ihre Auseinandersetzung mit Alltagsdingen fort, nach KUNSTRASEN und KUNSTBOX beschäftigen wir uns mit SITZ. Klappstühle wechseln ihre Funktion und geraten in jedem Fall zu Artefakten innerer und äußerer Wirklichkeit.
SITZ – ein Sessel, wie an seinem Erscheinungsbild zu erkennen ist. Sitzfläche, Lehne, Beine – wir wissen aus Erfahrung, wofür das Ding gut ist. Sein Real-sein besteht ganz allgemein im funktionalen Zweck zur Erfüllung von Bedürfnissen nach Bequemlichkeit, Brauchbarkeit, leichter Aufbewahrung, ökonomischer Herstellung, Vertrieb. In seinen Eigenschaften: gefällig, praktikabel, pflegeleicht.
Und was macht die Kunst samt ihren Diskursen mit so einem Ding? Zuweilen hochtrabend, zuweilen klug bearbeitet sie die „Verklärung des Gewöhnlichen“ (Arthur C. Danto, ein Philosoph), die „Verwandlung des Banalen“ (Karlheinz Lüdeking, ein Kunsthistoriker) in ein Objekt, dass sich anbietet, die Differenz von alltagswirklichem Zeug und Kunstwerk zu hinterfragen, zugleich aber auch die „ewige Neuheit“, die der Kunstbetrieb verlangt. Marcel Duchamp hat die Dynamik in Gang gesetzt, Andy Warhol, John M. Armleder, Yoko Ono und viele andere trieben sie weiter: Erscheinung und Materialität bedingen die Konzeption. Joseph Kosuth brachte das tautologische Kunststück auf den Punkt: Was ist real, was ist anschaulich, was ist begrifflich? Der Stuhl – sein Abbild – der Text.
Während philosophische Überlegungen um „metaphysische Heimatlosigkeit“ (Danto) und die „Unheimlichkeit des Gewöhnlichen“ (Stanley Cavell) kreisen, vertrauen künstlerische Aneignungsprozesse auf das allegorische Präsentieren des zu betrachtenden Gebrauchsgegenstandes. Der ganz bestimmte Sessel, eigentlich ein Informationsmodell, bedingt sich als Medium, als Referenz des – abwesenden – sitzenden Menschen, setzt in der De- wie Re-Inszenierung seiner Körperlichkeit metaphorische und zeichenhafte Prozesse in Gang (besitzend, besessen, versessen, …). Immer kontextuell verortet, verdinglicht, vernetzt, entsteht aus dem Gegenstand etwas Neues, etwas Reales, das manchmal nur von sich selbst handelt, manchmal eben auch nicht.
Jutta Steininger
Zeit, Ort und Anlass zur Auseinandersetzung mit SITZ geschehen nicht zufällig. Die Gruppe 77 setzt ihre Auseinandersetzung mit Alltagsdingen fort, nach KUNSTRASEN und KUNSTBOX beschäftigen wir uns mit SITZ. Klappstühle wechseln ihre Funktion und geraten in jedem Fall zu Artefakten innerer und äußerer Wirklichkeit.
SITZ – ein Sessel, wie an seinem Erscheinungsbild zu erkennen ist. Sitzfläche, Lehne, Beine – wir wissen aus Erfahrung, wofür das Ding gut ist. Sein Real-sein besteht ganz allgemein im funktionalen Zweck zur Erfüllung von Bedürfnissen nach Bequemlichkeit, Brauchbarkeit, leichter Aufbewahrung, ökonomischer Herstellung, Vertrieb. In seinen Eigenschaften: gefällig, praktikabel, pflegeleicht.
Und was macht die Kunst samt ihren Diskursen mit so einem Ding? Zuweilen hochtrabend, zuweilen klug bearbeitet sie die „Verklärung des Gewöhnlichen“ (Arthur C. Danto, ein Philosoph), die „Verwandlung des Banalen“ (Karlheinz Lüdeking, ein Kunsthistoriker) in ein Objekt, dass sich anbietet, die Differenz von alltagswirklichem Zeug und Kunstwerk zu hinterfragen, zugleich aber auch die „ewige Neuheit“, die der Kunstbetrieb verlangt. Marcel Duchamp hat die Dynamik in Gang gesetzt, Andy Warhol, John M. Armleder, Yoko Ono und viele andere trieben sie weiter: Erscheinung und Materialität bedingen die Konzeption. Joseph Kosuth brachte das tautologische Kunststück auf den Punkt: Was ist real, was ist anschaulich, was ist begrifflich? Der Stuhl – sein Abbild – der Text.
Während philosophische Überlegungen um „metaphysische Heimatlosigkeit“ (Danto) und die „Unheimlichkeit des Gewöhnlichen“ (Stanley Cavell) kreisen, vertrauen künstlerische Aneignungsprozesse auf das allegorische Präsentieren des zu betrachtenden Gebrauchsgegenstandes. Der ganz bestimmte Sessel, eigentlich ein Informationsmodell, bedingt sich als Medium, als Referenz des – abwesenden – sitzenden Menschen, setzt in der De- wie Re-Inszenierung seiner Körperlichkeit metaphorische und zeichenhafte Prozesse in Gang (besitzend, besessen, versessen, …). Immer kontextuell verortet, verdinglicht, vernetzt, entsteht aus dem Gegenstand etwas Neues, etwas Reales, das manchmal nur von sich selbst handelt, manchmal eben auch nicht.
Jutta Steininger
PLÜ23 - Raum für Kunst
Plüddemanngasse 23, 8010 Graz
www.plue23.at
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