Mit Ästen bis zum Himmel

Aus einer intensiven Beschäftigung mit dem Ton im Film entsteht ein Dokumentarfilm, der Kinder einer Schule für Seheinschränkung und Blindheit in Wien begleitet, die dort vornehmlich das Hören und Tasten lernen. Es ist auch ein Film über Verbindungen: von Bild und Ton, Ab- und Anwesenheit, Ich, Gemeinschaft und Welt.
"Mit Ästen bis zum Himmel" wurde nach dem Tod von Katharina Copony von Bettina Blickwede, Peter Kutin und Stefan Neuberger gemeinsam fertiggestellt und im März 2026 bei der Diagonale in Graz uraufgeführt.
Premiere und Gespräch mit Bettina Blickwede
Ich bin Fr, 25. September um 18:00 Uhr
Beste Kamera in der Kategorie Dokumentarfilm, Deutscher Kamerapreis
Beste Bildgestaltung, Beste Montage und Bestes Sounddesign in einem Dokumentarfilm, Diagonale
"Oft folge ich einem Ton, ehe mir noch ein Bild in den Sinn kommt. […] Meine Augen kann ich schließen, meine Ohren nicht", schreibt Katharina Copony 2019 in ihrem Vortrag Aus der Tonspur. Die intensive Beschäftigung mit dem Ton im Film, dem Verhältnis von Hörbarem und Sichtbarem, von Innen und Außen, führte die Filmemacherin an eine Schule in Wien. Kinder und Jugendliche mit Blindheit oder Seheinschränkung lernen dort vornehmlich durch das Hören und Tasten. An ihrer Seite erkundet der Film ihre Welt: die Materialität von Filz, Herbstblatt und Bärenfell, der Klang eines Straußeneis, Echoräume von Fahrstuhl und Treppenhaus, die Rhythmen einer Punktschriftmaschine, der Geruch eines Supermarkts.
Zugewandt folgt der Film den Kindern beim Lesen, Schreiben, Musizieren, Schachspiel und Fußball und begleitet sie auf ihren Wegen durch taktile Räumlichkeiten, unterwegs im Institut und in öffentlichen Räumen, mit Langstock, Klicksonar, Hund und sprechender Brille.
Anders als im Institutionenporträt steht nicht das Zusammenspiel von Strukturen und Zuständigkeiten im Zentrum, sondern die Lernenden und mit ihnen ein Raum sensorischer Erfahrung. Dabei geben die präzisen Bilder der schwer fassbaren Beschaffenheit des Auditiven erst einen Rahmen. Mit Ästen bis zum Himmel ist auch ein Film über Verbindungen: von Bild und Ton, Ab- und Anwesenheit, Ich, Gemeinschaft und Welt. Einmal kommt eine ferne Erinnerung an das Blau des Meeres zur Sprache. Und während wir die Gedichte der Kinder in Brailleschrift lesen oder vielmehr betrachten, hören wir aus dem Off ihre Stimmen. Ihr Nachklang geht über den Film hinaus.
Regie und Buch: Katharina Copony. Kamera: Stefan Neuberger. Schnitt: Bettina Blickwede. Österreich 2026. 86 Min. Farbe DCP. Deutsche Originalfassung.
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