Eröffnung steirischer herbst ’26

Mit Ekaterina Degots Eröffnungsrede

Sujet der Veranstaltung
Der steirische herbst eröffnet heuer am Karmeliterplatz, einem ruhigen Ort mit tief vergrabenen Klassenkonflikten und politischen Auseinandersetzungen. Hier findet nach der traditionellen Eröffnungsrede von Intendantin Ekaterina Degot die Wrestling-Performance Paradise Lost: Dieser Kampf ist kein Zeichen (2026) von Julian Warner statt, eine spannende Inszenierung der Kulturkämpfe unserer Zeit, in der sich überraschende Allianzen bilden.

Nach dieser ersten künstlerischen Beschäftigung mit den Themen des heurigen Festivals laden wir Sie zu Getränken und Musik ein, und dann geht es weiter in die Helmut List Halle, wo der Eröffnungstag mit einer Tanzperformance von Alex Baczyński-Jenkins fortgesetzt wird.

Eröffnungswoche (24.9.–27.9.)
Der steirische herbst ’26 startet um 17:00 am Karmeliterplatz mit der Rede der Intendantin Ekaterina Degot. Danach eröffnet Julian Warner das künstlerische Programm mit einem performativen Wrestlingmatch unter Beteiligung des Musikvereins Ilz, des Grrrls Chor und der Cheerleaderinnen der Graz Giants.

Um 20:30 verlagert sich das Geschehen in die Helmut List Halle, wo der renommierte Choreograf Alex Baczyński-Jenkins mit Tanz, Licht und Klang das politische und utopische Potenzial der Figur des Engels erforscht. Im Anschluss wird im Detroit Room mit einem vom Künstler ausgewählten DJ-Line-up bis in die frühen Morgenstunden getanzt.

Am Freitag, 25. September, eröffnet um 17:00 die zentrale Ausstellung von Red Flags am Griesplatz 34. Zur Vernissage aktiviert Tänzerin und Choreografin Xenia Koghilaki den Außenraum des Gebäudes mit einer schweißtreibenden Tanzperformance. Um 18:30 seziert Philosophin Oxana Timofeeva in ihrer Keynote im Orpheum Extra den inszenierten Erregungszustand der Gesellschaft. Im Anschluss, um 20:30, findet ebenfalls im Orpheum die Uraufführung von Franz von Strolchens neuem Stück statt – eine düstere und zugleich humorvolle Zukunftsvision eines Österreichs, das das öffentliche Gedächtnis abgeschafft und das Holocaust-Gedenken zur halblegalen Privatsache gemacht hat.

Am Samstag, 26. September, werden im Red Flags-Programm gleich drei Uraufführungen gefeiert. Daniel Dominguez Teruel zeigt um 14:00 am Hilmteich eine absurde Zeremonie inmitten der nachmittäglichen Freizeitidylle. Lukas Michelitsch beleuchtet um 17:00 im Orpheum Extra in seinem Live-Hörspiel die vergessene Geschichte des Widerstands auf der und um die Koralm. Im anschließenden Podiumsgespräch diskutieren Ruth Beckermann, Heimo Halbrainer und Erich Klein über das fragwürdige antifaschistische Erbe Österreichs. Lennart Boyd Schürmann beschließt den Premieren-Reigen am Samstag mit einer auch visuell beeindruckenden Neuinterpretation Romain Rollands politischer Farce Liluli, die er als Resonanzraum gegenwärtiger ideologischer Konstellationen deutet.

Ausstellung am Griesplatz 34 (25.9.–15.11.)

Für seine Ausstellung nutzt der steirische herbst dieses Jahr ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert am Griesplatz 34, in dem sich zuletzt ein Schnitzellokal befand. Der Bezirk Gries hat sich in jüngster Zeit zu einem politischen Schlachtfeld entwickelt. Rechte meinen, hier einen „Bevölkerungsaustausch“ vorzufinden, und schüren Ängste vor „Unterwanderung“.

Inmitten dieser angefeindeten Gemeinschaft entfaltet sich die Ausstellung als Mikrokosmos des häuslichen Lebens in einer politischen Gefahrenzone. Im Inneren des ehemaligen Wirtshauses erschaffen Künstler:innen ein Labyrinth aus fragmentarischen Erzählungen. Jeder Raum bietet eine andere Geschichte – bevölkert von marginalisierten Figuren und zeitgenössischen Archetypen. In einer Zeit, in der die Rechte den öffentlichen Raum instrumentalisiert, zieht sich die Ausstellung ins Private zurück – nur um zu offenbaren, dass es keinen sicheren Zufluchtsort gibt.
Künstler:innen
Rawan Almukhtar, Josefin Arnell, Vanessa Baird, Gabriele Edlbauer und Julia S. Goodman, Leila Hekmat, Max Höfler und Andreas Unterweger, Nikolay Karabinovych, Alexa Karolinski und Ingo Niermann, Alina Kleytman, Heather Phillipson und Jaro Varga

Zweite Woche (28.9.–4.10.)

In der zweiten Woche wird im Hoftheater Hainersdorf das neue Stück der Rabtaldirndln uraufgeführt. Es legt die Verbindungen von banalen Grenzüberschreitungen, misogynen Sitten und Gebräuchen hin zu Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen offen. Stina Fors’ neue Solo-Performance voller Anarchie und dadaistischem Humor feiert in der Welschen Kirche Premiere. Die Gewinnerin des Werner-Fenz-Stipendiums für Kunst im öffentlichen Raum 2026, Francesca Grilli, beschäftigt sich am Areal des Studierendenheims WIST Wienerstraße mit jungen Menschen, die ein Leben zwischen physischem Rückzug aus der Gesellschaft und digitaler Hypersichtbarkeit führen. Im ersten herbst Deathmatch diskutieren Robert Misik und Emilia Roig über das „Ende der Vernunft?“, und Henrik Quast und Carmen Chraim bringen im herbstkabarett scharfsinnige Beobachtungen und frechen Humor auf die Bühne.

Im Partnerprogramm entführt das neue Stück von Das Planetenparty Prinzip in ein fiktives Ski-Resort in den albanischen Alpen. Oper Graz und Schauspielhaus Graz zeigen ebenfalls neue Produktionen. Der gemeinsame Rundgang durch Ausstellungen im Partnerprogramm mit Stationen im KULTUMUSEUM Graz, HDA – Haus der Architektur, Camera Austria, Kunsthaus Graz, < rotor > Zentrum für zeitgenössische Kunst, Akademie Graz, esc medien kunst labor und Grazer Kunstverein findet wie gewohnt am zweiten Festivalsamstag statt.

In der zweiten Woche starten heuer außerdem die zwei Festivals-im-Festival. Vom 29.9. bis 3.10. liefert Out of Joint, das Literaturfestival im steirischen herbst, mit dem Titel dissident Denkanstöße im Literaturhaus Graz. Das ORF musikprotokoll 2026 beginnt am 3.10. mit der 24-Stunden-Performance GRAZ spielt STEVE REICH. Bis 11.10. beschäftigt sich unter dem Titel Supernova eine Vielzahl an Ensembles und Künstler:innen mit der Verbindung zwischen Mikro- und Makrokosmos.

Dritte Woche (5.10.–11.10.)
In der dritten Woche stehen neben weiteren Terminen der Rabtaldirndln neue Performances von Krõõt Juurak und Csaba Molnár / Nicole Clore am Programm. Bei den herbst Deathmatches diskutieren Konrad Paul Liessmann und Florian Klenk darüber, ob es Grenzen dafür geben sollte, was man öffentlich sagen darf, ohne andere zu verletzen. Eine szenische Lesung von Andreas Unterweger und Max Höfler mit Pia Hierzegger präsentiert in Kooperation mit der Literaturzeitschrift manuskripte im Palais Attems fiktive Wirtshausgespräche, die auch Teil der Ausstellung am Griesplatz 34 sind. Danach liest Josef Winkler aus seinem Werk und stellt eine persönliche Reliquie vor – ein Exponat der manuskripte-Ausstellung pars pro toto.

Die herbstvermittlung bietet wie in jeder Festivalwoche unzählige Formate für alle Altersgruppen an: Neben allgemeinen Überblicksführungen durch die Ausstellung (Di, Do, Fr, Sa und So) geben Max Höfler und Andreas Unterweger in dieser Woche im Rahmen einer Künstler:innenführung Einblicke in ihr Werk. Gunilla Plank lotet Kulturelle Vibe-Shifts und traditionelle Dead-Ends im Rahmen eines Ausstellungsgesprächs mit Expert:innen aus. Der Offene Abbauworkshop Zerfall erklärt Krisenmanagement biochemisch und untersucht, welche „Red Flags“ unseren Alltag prägen. Krõõt Juurak bietet weiters einen Workshop im Witzeerzählen für Erwachsene und Kinder ab 8 an. Auch in Kooperation mit dem ORF musikprotokoll gibt es Formate in dieser Woche: Neben zwei Klangspaziergängen durch den Grazer Stadtraum veranstaltet die herbstvermittlung ein Eat and Greet, in dem Besucher:innen auf Akteur:innen zeitgenössischer Musik treffen.

Im Partnerprogramm eröffnet unter anderem die künstlerische Intervention und Ausstellung der Künstlerin und Forscherin Carolyn Defrin an der Universität Graz sowie die Ausstellung Everything Is Everythang von Marc Bertel im RHIZOM.

Vierte Woche (12.10.–18.10.)
In der letzten Festivalwoche sucht Azade Shahmiri in ihrer neuen Performance nach einer künstlerischen Antwort auf die anhaltende Katastrophe, die durch den Krieg und die Unterdrückung des Widerstands im Iran geprägt ist. Shahmiri schafft Raum für eine Vielzahl von Stimmen, die im Westen nur selten wahrgenommen werden. Lina Majdalanie & Rabih Mroué nehmen Bertolt Brechts Anhörung durch den antikommunistischen Ausschuss für unamerikanische Umtriebe als Ausgangspunkt, um in ihrer gefeierten, minimalistisch-humorvollen Performance über ihre eigene Emigration, den weltweiten Aufstieg der Rechten und die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit nachzudenken. Zu beiden Performances gibt es ein Eat and Greet mit den Künstler:innen.

Im herbstkabarett fragt Naya de Souza in einer Mischung aus Lecture-Performance und Stand-up-Comedy, wie man einer Welt begegnen kann, in der globale Führungskräfte, Superreiche und sogar konservative Minderheiten Identitäten für sich beanspruchen, die sie nicht ausleben. Und Hanik Soleimani berichtet als moderne Scheherazade von ihren Mühen mit Aufenthaltsgenehmigungen in Deutschland und dem Abschied von ihrem Leben im Iran. Im letzten herbst Deathmatch diskutieren Paul Feigelfeld und Orit Halpern, ob wir nicht längst unter der Kontrolle von Techgiganten und ihren Plattformen stehen.


Termine
24. September 2026, 17:00 Uhr

Weitere Informationen
Ekaterina Degot
Eröffnungsrede

Julian Warner
Paradise Lost: Dieser Kampf ist kein Zeichen
Performance

Anschließend Getränke und DJ-Set von DJ Carline (Grrrls DJ Crew)

Frei zugänglich
Eintritt: frei


Karmeliterplatz
Karmeliterplatz 5, 8010 Graz


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