Der zerbrochne Krug

Gemeinsam mit der Theaterakademie LebensGroß erwecken Schauspielstudierende der Kunstuniversität Graz in der Regie von Werner Strenger ab 2. Juli Heinrich von Kleists gesellschaftskritische Komödie zum Leben. Spielort: der Grazer Färberplatz. Zu sehen: ein Richter, der selbst der Täter ist. Ein Verfahren, das sich gegen sich selbst richtet. Eine Komödie, die es in sich hat

Fr 3.7., 18:00 Uhr (bis Mi 8.7.)

Foto: Alexander Wenzel
Sujet der Veranstaltung
Dorfrichter Adam hat ein Problem: Er muss heute Gericht halten – über einen Fall, den er selbst verbrochen hat. In der Gerichtsstube des fiktiven niederländischen Dorfes Huisum versucht er, eine Verhandlung zu leiten, zu sabotieren, zu verschleppen und zu vertuschen – gleichzeitig. Was als dörfliche Eigentumsaffäre um einen zerbrochenen Krug beginnt, entfaltet sich zu einem präzisen Röntgenbild von Machtmissbrauch, Sprachmanipulation, (institutioneller) Selbstlüge und der Schwierigkeit aller, die Wahrheit präzise zu erfassen und das eigene Versagen wahrzunehmen. Kleist betrachtet unsere Abgründe mit Komik und schafft damit abgründige Komik.

Die Inszenierung
Die Inszenierung der Kunstuniversität Graz zeigt Kleists Richter Adam als dreifache Figur – gespalten in sich widersprechende Stimmen, Haltungen und Impulse. Korruption ist kein individueller Makel, sondern ein Systemmerkmal - Selbstgerechtigkeit ein Menschheitsphänomen. Das Verfahren richtet sich selbst. Zwei Personen mit eigenem Blick stellen die entscheidenden Fragen.
Gespielt wird draußen, an einem langen Tisch auf dem Färberplatz: Das Publikum sitzt auf beiden Seiten, mittendrin. Acht Schauspiel-Studierende der KUG spielen gemeinsam mit zwei Schauspieler:innen der Theaterakademie von LebensGroß – einer Einrichtung, die professionelle Theaterausbildung für Menschen mit Beeinträchtigung anbietet. Live-Perkussion von Liyun Long begleitet die Aufführung.

Die Entstehungsgeschichte
Der zerbrochene Krug entstand aus einem Freundschaftswettstreit: 1802 saß der 25-jährige Heinrich von Kleist mit zwei Dichterfreunden in der Schweiz vor einem Kupferstich – ein Richter, eine alte Frau mit zerbrochenem Krug, ein junges Paar. Die drei beschlossen, jeder solle aufschreiben, was er in dem Bild sieht. Kleist schrieb ein Lustspiel, das er mit 29 Jahren fertigstellte und das heute als eine der bedeutendsten Komödien der deutschen Sprache gilt.

Die Uraufführung 1808 in Weimar wurde zum Skandal – und der Hauptschuldige hatte einen berühmten Namen: Johann Wolfgang von Goethe. Ausgerechnet der mächtigste Dichter des deutschen Sprachraums zerlegte Kleists Einakter in drei Akte, strich und strukturierte nach eigenem Gutdünken um. Das Publikum pfiff. Kleist war entsetzt. Die beiden haben sich danach nie mehr gemocht – ein Riss, der nie heilte. 1811 erschien das Stück endlich im Druck, so wie Kleist es geschrieben hatte. Im selben Jahr erschoss sich Kleist am Wannsee. Er war 34 Jahre alt und hat den Ruhm seines Werkes nie erlebt.


Regie: Prof. Werner Strenger
Dramaturgische Begleitung: Prof.in Margo Zālīte
Perkussion/Komposition: Liyun Long
Bühne & Kostüm & Plakat: Karla Franziska Haigermoser
Inklusionsassistenz LebensGroß: Tilla Rath, Christoph Pauger
Projektleitung Theaterakademie LebensGroß: Lina Hölscher


Termine
3., 6., 7., 8. Juli 2026, 18:00 Uhr

Weitere Informationen
Schauspieler:innen und Rollen:

Gerichtsrätin Walter – Robert(a) Nemes (Theaterakademie LebensGroß)
Adam 1 – Myroslava Kandul (KUG)
Adam 2 – Marita Landgrebe (KUG)
Adam 3 – Fynn Utermark (KUG)
Schreiberin Licht – Agnes Zenz (Theaterakademie LebensGroß)
Frau Marthe – Reina Gujer (KUG)
Eve – Alina Rehsteiner (KUG)
Veit – Matti Felix Kasper (KUG)
Ruprecht – Justin Herlth (KUG)
Frau Brigitte – Marit Seidemann (KUG)
Eintritt: frei


Färberplatz
Färberplatz, 8010 Graz


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