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© Gerhard Gross
 
 

Alessandra Molina

 
Die kubanische Schriftstellerin Aliuska Molina-Placeres schreibt unter Alessandra Molina.

geboren 1968 in Havanna, Kuba
1991 Abschluss des Literaturstudiums an der Universität von Havanna
1999 Premio de poesía "Luis Rogelio Nogueras"
1999 Stipendium "Beca de creacíon Prometeo" des Premio de poesía de la Gaceta de Cuba
1999 Gedichtband "usuras del lenguaja", Argentinien
2001 "As de triunfo" Havanna
Veröffentlichungen in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien u. a.
LICHTUNGEN, 2005, Nr. 103
"Die leere Utopie", Leykam Verlag, 2005

Vaterland der Sprache

I
Es heißt, dass das Erlernen einer Fremdsprache den genaueren Ausdruck
von Gedanken in den Ausgangssprachen fördert. Dass es hilft, falsche Vorstellungen
zu korrigieren. Lichtenberg brachte das zum Nachdenken, er sagte sich:
„Ich bin eigentlich nach England gegangen, um Deutsch schreiben zu lernen“. Die
Variationen von Begriffen in einer anderen Sprache, die wir schon in unserer Sprache
hatten, übertreffen bald die kommunikative Funktion der Sprache, zielen auf
eine andere Dimension: die der Erkenntnis. Die Möglichkeit, dass es in einer anderen
Sprache Präzisierungen und Korrekturen unserer Begriffe gibt, die uns selbst noch von den konventionellsten und sogar abgedroschensten Gebrauchsform als Wissen entgegen
leuchten, ähnelt der Ausbeutung eines Minerals in einem riesigen Land.
Nicht einmal der krasse Fehler oder die Wahrheit behalten ihre direkte Entsprechung in der Ausgangssprache.

II
Der Winter war noch nicht vorbei
aber in den Bäumen schlug das Herz eines Freudenfeuers,
knisterten die Knospen beim Schwellen der alten Haut
und aus den Zweigen brachen die zartesten Keime hervor.
Mit ihren Flügeln, den kleinen Sitzpausen,
mit ihren Schnäbeln und winzigen Krallen
füllten sie die Luft mit Farben und Splittern
jenes Frühlingsfeuers,
das seine ersten Anzeichen gab.
Wir fühlten uns wie ein paar Auslandsstudenten,
die etwas vor dem ausgemachten Datum ins Land gekommen sind.
Auf dem Tisch
verbreiteten die Zitrusfrüchte einen funkelnden Glanz,
der uns an diesem Morgen nicht künstlich vorkam. Wir boten sie zum Essen an,
und erlebten sogar einen wenig feierlichen Moment der empörten Weigerung,
als einer warnte - das hatte ihm seine Mutter gesagt –
dass ein Übermaß an Mandarinengenuss
die Ursache einer Krankheit namens Skorbut sei.
Der Winter führte bald seinen letzten Abgriff:
Das Geräusch der Knospen erlosch im Wind,
die Vögel erschienen zur Urzeit.
Nur die Früchte mit ihrem glänzenden Schimmer
vermochten noch jenes Frühlingsversprechen zu bewahren.
Frühling. Mandarinen. Skorbut.
Von welchem knorrigen, krummen und geheimen Ast hingen Worte?
Und bis wohin hingen ihr Irrtum und die Wahrheit?
Mit Scham erinnerte ich mich an diese simple Weigerung
und an seine Mutter, die Schon seit Jahren tot war.
 



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