Poesie nach Auschwitz – eine Einübung in die Freude?

Du sagst Freude und denkst Katastrophe. Du siehst den Himmel in Flammen, die Wolken verkohlt und Vogelschwärme, die auf den Boden stürzen, oder vielleicht sind es Engel, die nachts wie eh und je die Kinder hüten. Und dennoch klammerst du dich an die Freude, du strengst dich an, wie man sich eine Gewissenspflicht auferlegt, du willst nicht auf das Herz verzichten, das die Kiesel des Wegs in Juwelen verwandelt, selbst wenn das nur die Laune einer Frau ist, die sich weigert, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, Ruß, Asche, Landschaften aus Kummer und Mitleid. Du machst eine Liste der gefälligen Bilder, die du beschreiben könntest, du beginnst mit dem Wasser der Quellen und endest beim Wasser der Tränen. Die Tränen, so glaubst du, sind das Nest aller Versprechen.

Sujet der Veranstaltung
Kanadas bedeutende Lyrikerin Louise Dupré fiel nach einem Besuch in Auschwitz für ein Jahr in Sprachlosigkeit. Aus dieser Erschütterung entstand ein Triptychon, mit Einübung in die Freude als Testament.
Einen Tag nach dem Gedenken an die Novemberprogrome sprechen wir mit ihr über ihre Gedichtbände Plus haut que les flammes (›Höher als die Flammen‹) und Exercices de joie (›Einübung in die Freude‹). Gedichte aus Plus haut que les flammes, in dem das Gedicht Auschwitz aus der Sicht eines Kindes erfahrbar werden lässt, werden zum ersten Mal in deutscher Übersetzung vorgetragen.

Die Veranstaltung ist zweisprachig: Die Autorin trägt ihre Gedichte im Original vor, Übersetzerin Ursula Mathis-Moser auf Deutsch.
Moderation: Paul Klingenberg

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Louise Dupré, geboren in Sherbrooke (Kanada), lebt in Montréal und ist seit 2024 Präsidentin des renommierten Festival international de poésie de Trois-Rivières. Vielfach ausgezeichnet (u. a. Prix du Gouverneur général du Canada 2011, 2017), in 15 Sprachen übersetzt, hat sie sich als Lyrikerin, Romanautorin, Dramatikerin und Essayistin einen Namen gemacht. Louise Dupré hat an die dreißig Bücher veröffentlicht und gilt als eine der führenden Stimmen ›weiblichen Schreibens‹ in der Frankophonie. Sie ist Mitglied der Académie des lettres du Québec, der Royal Society of Canada und des Ordre du Canada.

Ursula Mathis-Moser, geboren in Gmunden, Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin und emeritierte Universitätsprofessorin, hat über zwanzig Jahre das Zentrum für Kanadastudien der Universität Innsbruck geleitet. Sie wurde u. a. mit dem Prix international du Gouverneur Général en études canadiennes (2019) ausgezeichnet.


Termine
10. November 2026, 19:00 Uhr

Weitere Informationen
Eintritt: Freiwillige Spende


KULTUM - Kulturzentrum bei den Minoriten
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