Gregor von Rezzori: Maghrebinische Geschichten (1953)
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Foto: Gregor von Rezzori (Ausschnitt: Spiegel-Titel 1.1.1959)

Vortrag: Jan Wilm, anschließend im Gespräch mit Klaus Kastberger
„Was ist – geschändet wird nicht?“, rufen erschüttert die Eunuchen in Gregor von Rezzoris Maghrebinische Geschichten (1953). Ihr Ausruf ist exemplarisch für das Pendelspiel zwischen Komik, Abgründigkeit und kultureller Provokation, das die lose gefügten Episoden prägt.
Mit seiner unvergleichlichen Mélange aus Erinnerung und Fiktion unterwandert Rezzori satirisch verkrustete Gesellschafts- und Moralvorstellungen und formt aus historischen Umbrüchen ein vielschichtiges Wimmelbild. Seine von Ironie und Melancholie durchwirkte Sprachkunst behauptet in der deutschsprachigen, zumal der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts – Rezzori wurde 1984 nach Jahrzehnten der Staatenlosigkeit de facto österreichischer Staatsbürger – eine durchaus eigenwillige Position. (Jan Wilm)
Gregor von Rezzori (1914 -1998) war ein deutschsprachiger Autor, Journalist, Drehbuchautor und Schauspieler, mit Abstammung aus einer adligen Familie aus Sizilien. Nach dem Zerfall der österreich-ungarischen Monarchie erhielt er die rumänische Staatsbürgerschaft, verlor sie jedoch nach der Übernahme der Bukowina durch die Sowjetunion wieder und war 1944–1982 staatenlos, bis er die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Veröffentlichungen von Kurzgeschichten, Romanen, Erzählungen und Drehbüchern, u. a. Maghrebinische Geschichten (Kurzgeschichten; 1953); Ein Hermelin in Tschernopol (1958); Memoiren eines Antisemiten (1979).
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