Michael Köhlmeier über Homers Odyssee

Mo 15.6., 19:00 Uhr

Foto: Köhlmeier © Reinhard Werner, Burgtheater Wien
Köhlmeier © Reinhard Werner, Burgtheater Wien
Homers Ilias ist ein Heldenepos. Mehr: Sie ist die Urform dieser Gattung. Die Odyssee ist komplizierter, und das nicht nur im Aufbau. Es gibt Argumente, die nahelegen, sie einen Roman zu nennen. Einen Eheroman vielleicht? Durchaus. Die Vorgeschichte der Odyssee zeichnet vom Protagonisten ein alles andere als positives Bild. Odysseus will sich vom Krieg, den er anzettelte, drücken, er lässt den kranken Philoktet auf einer Insel aussetzen und am Ende des Krieges befiehlt er, Astyanax, den kleinen Sohn des Hektor, zu töten. Dennoch hat Homer diesen Mann zum Helden seines späten Epos’ gemacht. Die Odyssee ist auch der Versuch, Odysseus zu rehabilitieren. Er ist der treueste untreue Ehemann der Literaturgeschichte. Aus Liebe zu seiner Frau Penelope verzichtet er auf das ewige Leben bei ewiger Manneskraft, obwohl er erfahren hat, was für ein entsetzlich langweiliges Dasein die Toten im Hades führen. (Michael Köhlmeier)


Termine
15. Juni 2026, 19:00 Uhr


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