Verführung & Widerstand. Strategien des Überlebens.

Sa 16.5., 15:30 Uhr

Info: kunstgarten.at
Foto: Jan Davidsz de Heem (* April 1606 in Utrecht; † 1683 oder/or 1684 in Antwerpen)
Jan Davidsz de Heem (* April 1606 in Utrecht; † 1683 oder/or 1684 in Antwerpen)
Verführung & Widerstand.

Fatma Abdulhadi (SAU), Mary-Audrey Ramirez (LUX) (Artist in Residenz) und Thomas Hitchcock (A) führen ihre Bezüge zum Thema dem Publikum vor Augen.

Kuratorin: Irmi Horn

Begrüßung: Kulturstadträtin Dr.in Claudia Unger.

Openingspeaker: Kunsthistorikerin Dr.in Tanja Gurke

Dauer der Ausstellung: bis 10. Juli

Bemerkungen der Kuratorin:

Fatma Abdulhadi, geboren 1988 in Riad, Saudi-Arabien, wo sie lebt und arbeitet.

Fatma ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die in den Bereichen Zeichnen, Druckgrafik und Materialforschung arbeitet. Seit 2011 hat sie zur zeitgenössischen Kunstszene in Saudi-Arabien beigetragen und sich sowohl als Künstlerin als auch als Pädagogin etabliert. Derzeit leitet sie zusammen mit ihrem unabhängigen Studio das Siebdruckstudio am Misk Art Institute.

Abdulhadis Arbeit konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Erinnerung, Natur und menschlicher Erfahrung. Sie entwickelt ihre eigenen Pigmente und Tinten aus pflanzlichen und organischen Materialien und integriert sie in geschichtete Siebdrucke und Installationen. Ihre Praxis beinhaltet oft die Arbeit mit transparenten Oberflächen wie Mesh und das Erstellen von Kompositionen, die Licht, Tiefe und den Lauf der Zeit erforschen.

Sie hat zahlreiche Workshops und Bildungsprogramme geleitet und ihre Arbeiten in Saudi-Arabien und international ausgestellt.

Fatma Abdulhadi wird ein Video vorstellen, das sie aus Aufnahmen im kunstGarten entwickelt: Hier veranstalten Gewächse aus dem kunstGarten das Schatten-Spiel, das uns in Beziehung mit der „anderen“ Welt hinter dem Schleier treten lässt. Ihr Schattenspiel erscheint uns als Performance. Ob diese obszön oder heldenhaft, tragisch oder elegisch, dramatisch oder beruhigend auf uns wirkt, entscheiden die Betrachtenden. Und diese unterschiedlichen Interpretationen zeigen auch auf, dass unsere Wahrnehmung leicht manipulierbar ist und die Schatten eine mannigfaltige Fantasieentfaltung zulassen. Im Bereich der Kunst fällt das vor allem in den Bereich der positiven Auswirkungen auf Entfaltung von Vorstellungskraft, im Bereich des gesellschaftlichen Miteinander und der Forschung können Fake-Vorstellungen allerdings grausam zerstörende Konsequenzen nach sich ziehen.
So verführerisch uns das Schattenspiel uns in seinen Bann ziehen kann, hindert uns ein Schleier vor dem direkten unverhohlenem Blick auf die primäre Existenz.

Auszüge aus Arabisches_Schattenspiel: Einigkeit herrscht darüber, dass das Schattenspiel in Asien erfunden wurde. Das Spiel mit der Wirklichkeit und einer jenseitigen Welt.
Für das tief in das Schattenspiel eingetaucht Publikum erscheint der Schatten als der eigentliche Akteur in einer eigenen Welt und die schattenwerfende Figur als lediglich zweitrangig.
Az-zill, „Schatten“ gegenüber an-nūr, „Licht“, ist in der islamischen Metaphysik ein häufig vorkommendes Gegensatzpaar: die abgeleitete gegenüber der primären Existenz. Die hiesige Welt (ad-dunyā) ist bei Ibn Arabi der Schatten des Absoluten.
Der ägyptische Sufi-Dichter Ibn al-Fārid (1181–1235), der das Schattenspiel als Metapher für die illusorische Natur der menschlichen Existenz erkennt, erklärt in seinem mystischen Gedicht Nazm as-sulūk („Die Ordnung des Weges“) dessen symbolische Bedeutung so: Die Schattenfiguren stehen demnach für die Sinnesorgane, der Vorhang repräsentiert den menschlichen Körper und der Spielführer die göttliche Seele. Ibn al-Fārid gibt die älteste überlieferte Beschreibung von den Inhalten des arabischen Schattenspiels. In den Szenen zogen schwer bewaffnete Armeen auf, die an Land und im Wasser kämpften; es gab übernatürliche Wesen, wilde Löwen und einfache Fischer. Die Figuren stellten Heldengeschichten ebenso wie das Leben im Alltag dar. Beim Publikum rief all das starke Emotionen hervor.

Mary-Audrey Ramirez (*1990 in Luxemburg, lebt in Berlin) studierte von 2010 bis 2016 bei Thomas Zipp an der Hochschule der Künste in Berlin.

Sie hat mehrere Auszeichnungen und Künstlerresidenzen erhalten, unter anderem bei ISCP New York City, USA im Jahr 2022, im Jahr 2019 erhielt sie den renommierten Edward Steichen Award in Luxemburg für ihre textilbasierten skulpturalen und bildlichen Werke.

Ihre Werke wurden in Esch2022 + ARS ELECTRONICA (Luxemburg/Linz), Overbeck Gesellschaft (Lübeck), Dortmunder Kunstverein (Dortmund), Kunstmuseum Heidenheim, Kunsthalle Erfurt und Max Ernst Museum (Brühl) gezeigt.

2023 gab es eine Einzelausstellung von Mary-Audrey Ramirez in der Kunsthalle Gießen, außerdem wurden Werke von ihr in den Ausstellungen HIGH FIVE (Kunstpalais Erlangen), TOD UND TEUFEL (Kunstpalast Düsseldorf) und in YOUR HOME IS WHERE YOU’RE HAPPY (Haus Mödrath, Kerpen) gezeigt.

2024 eröffnete Ramirez ihre Einzelausstellung im Casino Luxembourg, gefolgt von ihren Ausstellungen UNSOLICITIED AWAKENING im Kai 10 in Düsseldorf und COMPANIONS im MARTINETZ in Köln.

In ihrer Arbeit entwickelt sie eine Installation: Alien-Insekten auf Alien-Pflanzen und verweist damit auf die Zerbrechlichkeit der Flora und Fauna beim Durchbrechen der „natürlichen“ Kreisläufe einerseits, andererseits erklärt sie moderne und futuristische Ansätze zur Resilienz der Menschheit in Sachen Geben und Nehmen, die wohl auf einer Art von Hybris beruht, und zeigt damit die Verführung der Cyber-Welt.

Thomas Hitchcock

Thomas Hitchcock ist bildender Künstler, er lebt und arbeitet in Wien und Belgien, wobei ihn bisher auch längere Arbeitsaufenthalte nach Lissabon und Berlin führten. Er kreiert skulpturale und bildhafte Objekte, untersucht und beleuchtet verschiedene gesellschaftliche, politische, ästhetische Phänomene.

Thomas Hitchcock, geboren 1989 in Bruck/Mur (AT), schloss 2017 sein Studium an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Brigitte Kowanz ab. Er studierte außerdem an der ENSAPC in Paris und war 2020 Teil des Independent Study Programme Maumaus in Lissabon. Einige Projekte fanden 2020 in einem von ihm kuratierten interdisziplinären Gruppenausstellungsformat mit der gleichnamigen Publikation intermezzo in Lissabon statt und sind seit 2018 als Kunst im öffentlichen Raum in der Neugestaltung des Peter-Alexander-Platzes unscene in Wien-Grinzing zu betreten. Einige seiner Objekte wurden bereits durch das Land Steiermark und die Sammlung der Universität für angewandte Kunst Wien angekauft.

Zuletzt waren seine Arbeiten beim „Förderungspreis des Landes Steiermark für zeitgenössische bildende Kunst“ in der Neuen Galerie in Graz vom 28.11.2025 – 06.04.2026 und Januar bis März 2026 das Projekt „Abstract Entities“ im KIOSK in Gent zu sehen.

Er präsentiert im kunstGarten Wandarbeiten mit dem Sujet Bellies: als pflanzliche Vorlage dient Punica granatum. Die Arbeiten stellen eine Verbindung von Medium, Skulptur, Photographie und Zeichnung dar.
Ausgehend von dem architektonischen Element des Balusters und seinem etymologischen Ursprung in der Blüte des Granatapfelbaumes stellt er eine Verbindung zwischen dieser zarten, sinnlichen Blüte und dem doch eher als Barriere oder Grenze fungierenden Element des Balusters her.
Die Schwarzweiß Photos sind partiell mit einem Blatt Transparentpapier überdeckt und das Motiv der Blüte teilweise mit Bleistift übermalt was dem Bild einen skultpuralen Effekt verleiht. Durch diese Überlagerung von mehreren Schichten und deren Verschmelzung thematisiert er die Schwelle zwischen unterschiedlichen Ebenen, das Innen verschmilzt mit dem Aussen, die Grenze wird aufgeweicht.
Der Begriff Baluster rührt vom französischen balustre, bzw. vom gleichbedeutenden italienischen balaustro und geht zurück auf das altgriechische βαλαύστριον / balaustion = Blüte des wilden Granatapfelbaums, unreifer Granatapfel.


Termine
16. Mai 2026, 15:30 Uhr


kunstGarten
Payer-Weyprecht-Str. 27, 8020 Graz
www.kunstGarten.at
+43(0)316 262787
kunstgarten@mur.at
Haltestelle Payer-Weyprecht-Straße: Buslinie 39
Haltestelle Puchstraße: Straßenbahnlinie 5


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