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Recherche zur und Dokumentation von öffentlicher Kunst in Graz: von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart


Graz - Eine kleine Stadtgeschichte

von Dr. Werner Strahalm

Bereits in ältester Zeit kann von einer Besiedlung oder Begehung des Gebietes von Graz durch das Auffinden verschiedenster "stummer Zeugen" ausgegangen werden. In diesem Bereich wird derzeit intensiv geforscht.

Das im Innenhof des ehem. Karmeliterklosters (Karmeliterplatz) gefundene älteste Brandgrab der Steiermark wird etwa auf 1300 v. Chr. festlegt (Abb. re.) Die in unmittelbarer Nähe im Jahre 2003 in der Alten Universität in der Hofgasse aufgedeckten 17 Grabstellen konnten aufgrund der Grabbeigaben in das frühe 9. Jhd. datiert werden.


Der Name der Stadt an der Mur geht auf das slawische Wort "gradec" zurück, auf Deutsch: kleine Burg. Die Befestigung auf dem Schloßberg war in früherer Zeit vermutlich eine slawische Fluchtburg. Die "große" Burg war Gösting, die den Eingang zum Grazerfeld bewachte.



Damals waren die Zeiten sehr unruhig und gefährlich. Nach den Awaren, geschlagen von Karl d. Großen, bedrohten im 9. Jahrhundert die Magyaren Mitteleuropa. Erst nach der Niederlage auf dem Lechfeld (955) durch Kaiser Otto I. stellten sie ihre Raubzüge ein. Ein Großteil der deutschen Kolonisation aber war vernichtet.

Im 11. Jahrhundert fiel die damalige Steiermark durch Erbschaft an die Traungauer, einem bayerischen Grafengeschlecht. Nach ihrer Hauptburg bei Steyr (heute Oberösterreich) nannten sie sich Markgrafen von Steyr. So entstand der Name Steiermark.
Der winzige Burgflecken Graz wuchs durch die Einwanderung bayerischer Kolonisten. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts besaß die kleine Ansiedlung bereits einen Markt und wurde bald Stadt genannt, die sich mit ihrer starken Festung auf dem Schloßberg zu einem Bollwerk gegen Osten entwickelte.



Im 12. Jahrhundert stieg Graz zur Hauptstadt der Steiermark auf. Sie feiert 2008 ihren 880. "Geburtstag". Das heißt konkret, die Stadt wurde in einer – übrigens umstrittenen – Urkunde aus dem Jahre 1128 erstmals erwähnt.



1180 wurde die Mark Steiermark zu einem Herzogtum umgewandelt. Erster steirischer Herzog wurde Otakar IV. v. Traungau. Nach seinem Tode fiel die Steiermark 1192 an seinen Verwandten Leopold V. v. Babenberg, Herzog v. Österreich (re.).

Graz war zudem eine zeitlang kaiserliche Residenzstadt. Zuerst war es der Habsburger Leopold III., der 1379 Graz zur Residenz seiner Länder erhob, doch später regierte Kaiser Friedrich III. (1440 – 1493) insgesamt zehn Jahre das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" von hier aus.



Am 7. Februar 1446 tauchte mit dem Namen Steirer zum ersten Mal ein Grazer Bürgermeister mit Familiennamen in den Urkunden auf. Unter Friedrich III. zogen Vorboten von Humanismus und Renaissance in die Stadt ein. Auch gehen zahlreiche Bauten auf diesen Kaiser zurück, so etwa die Errichtung der landesfürstlichen "unteren" Burg und der Domkirche an der besonders gefährdeten Nord-Ost-Ecke der Stadt.

Nach dem Tode Kaiser Ferdinands I. erhielt sein Sohn Erzherzog Karl II. (1554–1590) Innerösterreich, die größte zusammenhängende Ländermasse im Deutschen Reich, bestehend aus Steiermark, Kärnten, Krain, Istrien etc. Die Jahre seiner Regierung gehörten zu den bedeutendsten in der steirischen Geschichte.



Dem Regierungsantritt Erzherzog Karls II. war in Graz eine lebhafte Bautätigkeit vorausgegangen. Überall im Land befanden sich italienische Baumeister, die im Stile der Renaissance arbeiteten. Neben den fortwährenden Auseinandersetzungen mit dem Protestantismus war die Türkenbedrohung eine der Hauptsorgen Karls und somit der Abschluss der Stadtbefestigung zu einer der dringlichsten Angelegenheiten geworden. Das Aussehen von Graz zeigt die Kopie der so genannten Florentineransicht, eine der ältesten Ansichten von Graz (1565).



Nachdem die ständige Türkengefahr durch die entscheidenden Siege der kaiserlichen Heere (1664 bei St. Gotthard und 1683 vor Wien) endgültig gebannt war, begann die Stadt aufzublühen. Der Prunk des Barock begann sich zu entfalten.


Aber bereits im ersten Viertel des 17. Jhds. hatte man begonnen, am westlichen Grazer Stadtrand einen profanen Großbau zu errichten, der in Lage und Ausstattung alles bisher dagewesene übertraf: das Schloss Eggenberg. Bauherr Hanns Ulrich v. Eggenberg, Jugendfreund und Berater Kaiser Ferdinands II., einer der reichsten Männer seiner Zeit, wollte seinem Geschlecht ein pompöses Stammschloss errichten.

Als am 20. April 1792 das revolutionäre Frankreich Kaiser Franz II. (I.) den Krieg erklärte, ahnte noch niemand, dass dies zu einer langen Kriegsperiode führen sollte, die letztendlich entscheidende Auswirkungen auf das Aussehen der Stadt Graz hatte.
Im Laufe der einzelnen Koalitionskriege wurde 1809 die Steiermark zum vierten, Graz zum dritten Mal den Franzosen unter Napoleon I. preisgegeben. Die Verteidigung des Schlossbergs oblag dem Major der Genietruppen Franz Hackher zu Hart. Um eine Beschießung der Stadt Graz zu vermeiden öffnete man die Tore, die Übergabe des Schloßbergs wurde aber immer wieder abgelehnt.


In der Nacht vom 13. zum 14. Juni begann mit der Beschießung des Schloßbergs der Sturm auf den Berg. Was die Franzosen auch versuchten, sie wurden immer wieder zurückgeschlagen, bis sie von Graz abziehen mussten, weil sich österreichische Heere der steiermärkischen Landeshauptstadt näherten. Jedoch die Niederlage der Kaiserlichen bei der kriegsentscheidenden Schlacht bei Wagram führte zum Frieden von Schönbrunn (Oktober 1809). Auf persönlichen Wunsch Napoleons hin, wurde ihm der Abbruch der unbezwungenen Grazer Festung auf dem Schloßberg zugestanden.



Von den vielen bedeutenden Männern, die im 19. Jhd. die Steiermark, besonders aber Graz, geprägt haben, muss man den Bruder Kaiser Franz I. v. Österreich Erzherzog Johann (* 2.2.1782 in Florenz, † 11.5. 1859 in Graz) erwähnen. Wichtig waren die zahlreichen Aktivitäten, welche der volkstümliche Prinz in seiner Funktion als Privatmann hier setzte. So gründete er unter anderem das Museum Joanneum in Graz, baute den von ihm gekauften Brandhof am Seeberg bei Mariazell zu einem Mustergut aus, gründete die Landwirtschaftsgesellschaft, den Historischen Verein, eine Lehrkanzel für Berg- und Hüttenwesen (Vorgängerin der Leobener Montanistischen Universität) und auch die Vorgängerin der Technischen Universität, die seinen Namen trägt. Das Brunnendenkmal auf dem Grazer Hauptplatz erinnert noch heute an den unvergessenen Erzherzog. Die Industrialisierung und der Anschluss an die Südbahn im Jahr 1844 – auch das verdankt man dem Prinzen Johann – brachten neue wirtschaftliche Akzente und ließen die Stadt rasch anwachsen.

1918 musste Österreich große Gebiete der Untersteiermark dem neu entstandenen Königreich Jugoslawien abtreten und so wurde Graz in den südöstlichen Winkel Österreichs gedrängt.
1938 übernahmen die Nationalsozialisten in Österreich die Macht und es begannein schwerer Leidensweg für die Bevölkerung. Die letzten Jahre des II. Weltkriegs und die ständigen Bombenangriffe hinterließen schwere Wunden. 15 Prozent aller Wohnungen wurden vernichtet oder beschädigt. Bürgermeister Speck war es, der begann, das Leben der Stadt wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Durch die tatkräftige Mithilfe der britischen Besatzer (24. Juli 1945 bis 20. September 1955) erholte sich Graz rasch wieder. Wohlstand und Kultur begannen wieder ihren hohen Stand zu erreichen. Auch immer mehr Studenten (vier Universitäten, eine Fachhochschule) zog es in die steirische Landeshauptstadt, in der und um die in den letzten Jahren modernste Industriezentren (Cluster) errichtet wurden.


1999 wurde die Stadt Graz in das Weltkultur-Erbe der UNESCO aufgenommen und den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2003" hat sich Graz aufgrund seiner vielfältigen Bemühungen um die Kultur redlich verdient.

Die Aktivitäten der Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2003 zeugen bis heute jedenfalls von der dynamischen kulturellen Stimmung, die in Graz seit damals herrscht.


Nach den Gemeinderatswahlen vom 26. 01. 2003 endete mit der konstituierenden Sitzung am 27. März 2003 die Tätigkeit Alfred Stingls als Bürgermeister der Landeshauptstadt Graz. Stingl legte nach 35 Jahren als Kommunalpolitiker und 18 Jahren als Bürgermeister sein Amt zurück. Mag. Siegfried Nagl (ÖVP) wurde mit 36 von 56 Stimmen zum neuen Bürgermeister von Graz gewählt. Der damals knapp 40-Jährige – bis heute im Amt – ist der siebente Bürgermeister nach 1945 und der bisher jüngste.

In den folgenden beiden Jahren haben die Stadt Graz und die Grazer Stadtwerke wieder beispielhafte Initiativen für den öffentlichen Verkehr gesetzt und die Straßenbahnlinien 4, 5 und 6 um mehrere Kilometer in die Außenbezirke verlängert; gleichzeitig wurden neue Nahverkehrsknoten in Puntigam und bei Don Bosco realisiert.


Der neue Nahverkehrsknoten bei Don Bosco; zwischen diesen beiden Fotos liegen etwa 50 Jahre.

Auf kulturellem Sektor hat sich das Schloss Eggenberg hervorgetan: Nach der in den letzten Jahren gelungenen Neugestaltung des Planeten- und Biedermeiergartens sowie der Neuaufstellung der Alten Galerie wird die für den Winter 2007/08 geplante Revitalisierung des Rosenhügels wohl als neuer Besuchermagnet wirken. Die äußerst ehrenvolle Aufnahme von Schloss und Park in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO steht bevor.

Im Oktober 2007 wurde das umgestaltete Schloßberg-Restaurant mit seiner neuen "Skybar" seiner Bestimmung übergeben. Im Zuge der dabei notwendigen Sanierung alter Festungsmauern rund um die "Löwengrube" gelang die Entdeckung eines geheimen Ganges und der Fund eines weiteren Torbogens mit einer Inschrift beim gotischen Burgtor auf dem Plateau. Auch dem Problem der Feuchtigkeit des Uhrturms wird jetzt zu Leibe gerückt. Im November 2007 feierte die Stadt Graz übrigens das zehnjährige Bestehen des Hauses der Autoren im Cerrinischlössl auf dem Schloßberg.


Das neue Schloßbergrestaurant (eröffnet 2007) mit der "Skybar" gilt als Symbiose zwischen historischem Ambiente und moderner Architektur.


Bei den Gemeinderatswahlen am 20. Jänner 2008 gelang es Bürgermeister Siegfried Nagl den Wahlerfolg von 2003 zu wiederholen. Nach der Wahl Nagls zum Bürgermeister (den Schwur nahm Landeshauptmann Franz Voves entgegen), wurde Lisa Rücker (GRÜNE) seine Koalitionspartnerin und am 14. März 2008 zur ersten "grünen" Vizebürgermeisterin gewählt, und die schwarz/grüne Koalition im Rathaus war nun zu einem Teil der neuesten Historie von Graz geworden.


Die Grazer Stadtregierung im März 2008 (v. l.): Susanne Winter (FPÖ), Eva Maria Fluch (ÖVP), Lisa Rücker (GRÜNE), Wolfgang Riedler (SPÖ), Siegfried Nagl (ÖVP), Gerhard Rüsch (ÖVP), Detlev Eisel-Eiselsberg (ÖVP), Elke Edlinger (SPÖ), Elke Kahr (KPÖ).


Abbildungen: Stadtarchiv Graz, Sammlung Laukhard, Sammlung Strahalm, Stadtmuseum Graz, Foto Fischer

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"Graz - Eine kleine Stadtgeschichte"(ca 2,7 MB)

Kontakt:

Dr. Werner Walter Strahalm
Stadtarchiv
Schiffgasse 4 / Entenplatz 3a, 8010 Graz
Tel.: +43/316/872-4940
Fax: +43/316/872-4949
e-mail: werner.strahalm@stadt.graz.at
Kontakt
Schiffgasse 4
A-8020 Graz
Tel.: (0316) 872-4941
Fax.: (0316) 872-4949





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