Stadt Graz
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Carl Mayer (1894 - 1944)


Der Klassiker unter den Drehbuchautoren des Stummfilms

Caligari - ein Bekenntnis gegen willenlose Unterwerfung
Carl Mayer und Friedrich Murnau
Kaum jemand außerhalb der Filmbranche kennt heute Carl Mayer, obwohl sein erster und berühmtester Film, Das Cabinet des Dr. Caligari (1919/20), als Meilenstein der Filmgeschichte und des expressionistischen deutschen Stummfilms gilt. Dabei war Carl Mayer der wohl wichtigste Drehbuchautor der zwanziger Jahre und der erste, der ausschließlich in diesem Beruf tätig war. Im schöngeistigen deutschen Regisseur Friedrich Murnau und dem Kameramann Karl Freund (1890 - 1969), einem frühen Mitarbeiter des österreichischen ‚Filmgrafen' Sascha Kolowrat, fand er nach dem Caligari-Erfolg Partner, die seine bildhafte Sprache kongenial umsetzten, u.a. in Der letzte Mann (1924). Ebenso wie Caligari wendet sich auch Der letzte Mann vehement gegen jegliche Autoritätshörigkeit.

Als Dramaturg am kleinen Berliner Residenztheater glückte ihm der Zugang zur Filmwelt. Die Themen, deren er sich annahm, lassen sich aus den traumatischen Ereignissen seines Lebens erklären: Der Selbstmord seines Vaters, eines Börsenspekulanten, und der Erste Weltkrieg machten ihn unwiderruflich zu einem Pazifisten. Mayer verliebte sich in die Wienerin Gilda Langer, den Star des Theaters. Damals begann auch seine Freundschaft mit Hans Janowitz, von dem die Idee zu Caligari stammte.

Titelblatt des Drehbuches, Walter Reimann Mayer schrieb das Drehbuch: Der irrsinnige Schausteller und Anstaltsdirektor Dr. Caligari läßt sein Medium Cesare nächtens unter Hypnose Morde begehen. Die weibliche Nebenrolle sollte von Gilda gespielt werden. Nachdem sie ihn wegen Dr. Paul Czinner, dem späteren Ehemann von Elisabeth Bergner, verlassen hatte und bald darauf gestorben war, ging ihr Part an Lil Dagover.

1919 verkauften Mayer und Janowitz das Caligari-Drehbuch an Erich Pommer, den mächtigen Produktionschef der Decla-Bioskop. Die Filmfirma änderte den wichtigen Schluß, sodaß letzt-endlich eine Geschichte der Unterwerfung herauskam: Es bleibt unklar, ob Dr. Caligari ein gütiger Arzt oder ein skrupelloser Verbrecher ist. Nachdem Fritz Lang die Dreharbeiten nicht übernehmen konnte, wurde Robert Wiene als Regisseur verpflichtet, der Caligari in den kleinen Weissensee-Studios in Berlin drehte.

Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig schufen die expressionistische Dekoration, die zusammen mit dem artifiziellen Darstellungsstil - Werner Krauß als Dr. Caligari und Conrad Veidt als sein Medium Cesare - Verzweiflung und Grauen ausstrahlt. Das Cabinet des Dr.CaligariDer hypnotische Charakter wurde auch in der Werbung herausgestrichen - "Du mußt Caligari werden!" schrie es von den Plakaten. Die künstlerische Sensation war perfekt, die Kritiker von Berlin bis New York entdeckten Carl Mayer und den deutschen Film.

Nach den vielen Herz-Schmerz-Geschichten des Stummfilms hatte sich der Film nun in die künstlerische Avantgarde des Expressionismus eingereiht, die bisher der Literatur und der Malerei vorbehalten war. Nicht das Abbild der Realität zählt, sondern ihre Vision.
Siegfried Kracauer deutet in seiner Filmgeschichte "Von Caligari bis Hitler" diesen Film als die Zurückweisung eines Wahnsinnigen, der Menschen veranlaßt, gegen ihren Willen zu töten. Er sieht Caligari als Vorbote kommenden Unheils und den Irrenarzt als Symbol schrankenloser Macht über seine Untergebenen, damit als eine Vorahnung des Nationalsozialismus. Nach Ansicht Kracauers spiegelt der Film die Mentalität einer Nation unvermittelter wider als andere künstlerische Medien.

Das Grauen setzte sich fort mit Schloß Vogelöd,1921, eine Geschichte von Verrat, Mord, Bruderhaß und Eifersucht im aristokratischen Milieu mit Olga Tschechowa. Regie führte bereits F.W. Murnau. Eine Szene daraus veranschaulicht Carl Mayers eigenwilligen bildhaften Sprachstil, der von hoher visueller Vorstellungskraft und dem schnellen Film-Rhythmus geprägt war:

"Ein ganz tiefer hoher Saal. Nachmittags.
Gesamter:
Antik. Karg. Möbel kaum. Nur Wände!
Und! die Baronin. Gepreßt an eine Wand.
Entsetzen erstarrt. Sich verschließend
einem Ruf. So steht sie da.
Keuchend furchtbar. Und der Baron!
Weitstehend vor ihr. Gepreßt an die andere
Wand. Sein Antlitz namenlos empor. So
steht auch er da Reglos."


Die ‚entfesselte Kamera' im Letzten Mann

Nach Caligari widmete sich Mayer den ‚Kammerspielfilmen', kleinbürgerlichen Schicksalen, die bisher im phantastischen Sezenario des Kinos kaum vorgekommen waren, wie Hintertreppe, Der Bucklige und die Tänzerin, Vanina Vanini (nach Stendhal 1922, mit Asta Nielsen) und Sylvester. Der letzte Mann - DreharbeitenDer nächste große Wurf glückte ihm mit Der letzte Mann, 1924, wieder in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Erich Pommer sowie F.W. Murnau als Regisseur und Karl Freund an der Kamera. Emil Jannings als Portier des Hotels Atlantic verliert mit seiner Uniform auch seine Würde, als er zum Toilettenmann degradiert wird. Er ist der Kleinbürger, der eine falsche Größe anbetet, mehr noch, der Deutsche, der die Macht und ihr Symbol - die Uniform - verherrlicht, sodaß ihr Verlust auch den Verlust der Identität bedeutet. Auch hier wurde um des besseren Verkaufs willen ein Happy End gegen Mayers Willen aufgesetzt Der Mann erbt eine Million Dollar.

Um die Abkehr vom schauerromantischen Stummfilm zu einer mehr realitätsbezogenen Darstellung umzusetzen, wurde nach Mayers Anweisungen die Kamera aus ihrer starren Fixierung befreit, ‚entfesselt': Freund trug sie um seinen Körper geschnallt, ließ sie an Schienen gleiten oder von Kränen bewegen. Jürgen Kasten bezeichnet Carl Mayer überhaupt als ‚Wegbereiter fast aller einschneidenden Form- und Motivveränderungen.' (Jürgen Kasten: Film schreiben. Eine Geschichte des Drehbuchs, Wien 1990, p.81). Karl Freund ging 1930 nach Hollywood und setzte dort mit Filmen wie Key Largo (1948) seine in Deutschland begonnene Karriere fort.

Dr.Gertraud Steiner
(Fotos: Filmmuseum Berlin - Stiftung Deutsche Kinemathek)


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