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Kategorie » Theater/Tanz

Struwwelpeter
Junk Opera von Julian Crouch und Phelim McDermott.
Musik von Martyn Jacques

Bizarrer könnte das Trüppchen von jugendlichen Rebellen nicht sein, das der Frankfurter Arzt Dr. Heinrich Hoffmann 1845 in seinem zur Legende gewordenen Bilderbuch „Der Struwwelpeter“ versammelte. Der böse Friederich, das zündelnde Paulinchen, oder Konrad, der Daumenlutscher – sie alle sind wie für die Bühne geschaffen, um uns mit ihren grotesken Geschichten von Auflehnung und Anarchie mächtig zum Gruseln zu bringen.

Oft ist „Der Struwwelpeter“ als Paradebeispiel sogenannter schwarzer Pädagogik gegeißelt worden. Aber ist Hoffmanns kleiner Horrorladen nicht auch Ausdruck der zum Albtraum geronnenen Ängste von Eltern? Oder Dokument überlebenswichtiger Unangepasstheit und Verweigerung, denen eine Gesellschaft gestern wie heute häufig bloß mit Strafandrohung und Abschreckung begegnet? Sind Diätcamps und Ritalin nicht ebenso bittere Arznei, wie die, die Hoffmanns böse Buben verabreicht bekamen? Und überhaupt: Haben wir nicht auch ein Anrecht darauf, einmal ein arger Wüterich, einmal „Hans guck in die Luft“ zu sein?

In der gefeierten Bühnenadaption von Phelim McDermott und Julian Crouch aus dem Jahre 1998, für die die Londoner Band „The Tiger Lillies“ Hoffmanns Texte kongenial vertonte, führt der Struwwelpeter einen bitter-komischen Reigen zwischen Vaudeville, Gruselkabinett und Punk-Musical an. Anleihen bei Kurt Weill und Tom Waits sind bei den „Tiger Lillies“ um Martyn Jacques kein Zufall, genauso wenig wie tiefschwarzer englischer Humor. Mal böse provozierend, mal melancholisch und sehnsüchtig verführt diese grell-verzaubernde „Junk Opera“ in die Abgründe der Seele zwischen Auflehnung und Gehorsam, Traum und Wirklichkeit. Und so wird aus dem berühmten, oft parodierten und ebenso viel gescholtenen Kinderbuch ein Ausflug auf die dunkle Seite der Seele, jenseits von Vernunft und Folgsamkeit, die in uns allen steckt.

Markus Bothe, geboren 1970, ist ein Spezialist für das fantasievolle Erzählen von großen romantischen Stoffen. Die Inszenierung seines Stückes „Roter Ritter Parzival“ am Schauspiel Frankfurt wurde 2010 mit dem deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet. Der in Basel lebende Regisseur arbeitete u. a. am Schauspielhaus Frankfurt, an der Deutschen Oper Berlin und am Schauspielhaus Hamburg.

Julian Crouch und Phelim McDermott sind Regisseure, Gründungsmitglieder und künstlerische Leiter von „Improbable Theatre“, einem Londoner Theaterkollektiv. Crouch, der als Puppenspieler begann und auch als Ausstatter arbeitet, und McDermott, gelernter Schauspieler, haben neben dem Sensationserfolg „Shockheaded Peter“ u. a. auch Victor Hugos „Der Glöckner von Notre Dame“ für die Bühne bearbeitet. Crouch inszenierte 2013 für die Salzburger Festspiele den „Jedermann“ neu.

Regie: Markus Bothe
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Justina Klimczyk
Musikalische Leitung: Henning Nierstenhöfer
Licht: Thomas Trummer
Dramaturgie: Jan Stephan Schmieding
mit Henriette Blumenau, Pascal Goffin, Julia Gräfner, Benedikt Greiner, Sarah Sophia Meyer, Kinderstatisterie.

Termine
2. April 2016, 19:30 Uhr
12., 13., 21., 27., 29. April 2016, 19:30 Uhr
7., 14., 31. Mai 2016, 19:30 Uhr
28. Mai 2016, 18:00 Uhr
7., 17. Juni 2016, 19:30 Uhr
10. Juni 2016, 12:00 Uhr, 19:00 Uhr
Wiederaufnahme: 17. September 2016, 19:30 Uhr
28. Oktober 2016, 12:00 Uhr Schulvorstellung
28. Oktober 2016, 19:00 Uhr
Wiederaufnahme: 28. März 2017, 19:30 Uhr
29. März 2017, 12:00 Uhr
Weitere Informationen
(c) Foto: Lupi Spuma
online Karten
Karten
Veranstaltungsort
Schauspielhaus Haus 1 (Hauptbühne)
Hofgasse 11, 8010 Graz
Tel: +43 (0) 316 80 08
Fax: +43 (0)316 80 08 3488
- - - - -
haltestelle Schauspielhaus: buslinie 30
haltestelle Jakominiplatz: buslinie 31,32,33,34,35,39,40; strassenbahn 1,3,4,5,6,7,13,14
öffentl. Parkplätze am Karmeliter- und Freiheitsplatz

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Schauspielhaus Haus 1 (Hauptbühne)
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