Kategorie » Theater/Tanz

schlammland gewalt

Wiederaufnahme in der Saison 2019.2020
Österreichische Erstaufführung von Ferdinand Schmalz
Ausnahmezustand in einem Dorf in den Bergen. Der Tag des Dorffestes ist eigentlich der, an dem alles stimmt, an dem Uneinigkeiten des Alltags ruhen und Spaß mit Brathendl, Blasmusik und Bier auf Kommando funktioniert. An diesem Tag aber ist alles anders, es scheinen höhere Mächte am Werk zu sein, so stimmt nicht einmal das Wetter und mit dem sumpfiger werdenden Festzeltgelände nimmt die Katastrophe ihren Lauf.

Wenn Weltanschauungen und Wertvorstellungen aufeinanderprallen, werden Konflikte hier so ausagiert: Dorfkönig Zeiringer stopft der Sandra das Maul, weil sie Dinge prophezeit, die er nicht hören will und sie damit die Regel missachtet, die ihm alleiniges Rederecht garantiert. Als sich Sandra ausgerechnet mit seinem Sohn Toni, der sowieso eine große Enttäuschung für den Vater ist, davonstiehlt, rastet er richtig aus. Da bricht ein Damm und die Veränderungen und Neuordnungen sind nicht aufzuhalten, die Mure rauscht den Berg hinab und begräbt alles und alle unter sich. Fast alle …

„schlammland gewalt“ ist ein sprachmächtiger Text, aus der Perspektive des Hendlbraters erzählt, der aus dem Abseits eine gute Perspektive auf die Festgesellschaft hat und dadurch klarer erkennen kann, was schief läuft in dem Dorf. Er sieht, dass auch dort, wo seit 30 Millionen Jahren ein mächtiges Gebirge scheinbar unverrückbar in der Landschaft steht, Veränderung unvermeidlich ist. Dass das unkontrollierte patriarchale Verhalten des Zeiringer überholt ist, dass die Welt sich verändert hat. Das bedeutet, dass auch andere Stimmen zu Wort kommen und Machtverhältnisse sich neu ordnen.

In seinem unverkennbaren, vielfach preisgekrönten Stil, der geprägt ist von metaphorischer Verdichtung, Sprachspiel und Austriazismen, zeigt Ferdinand Schmalz, der Bachmann-Preisträger von 2017 ein weiteres Mal, was die Verunsicherung durch das Gefühl, keinen festen Boden unter den Füßen zu haben, auslösen kann. Den Diskurs um Forderungen für Neuordnungen von Rollenbildern hat auch Sophie Passmann in ihrem im März 2019 erschienenen Buch „Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch“ aufgegriffen. Ausschnitte aus den Gesprächen, die sie dazu mit verschiedenen Männern geführt hat, werden dem Text von Ferdinand Schmalz einleitend vorangestellt.

„schlammland gewalt“ ist die dritte Inszenierung eines abendfüllenden Schmalz-Textes im Schauspielhaus. Inszeniert wird er von der jungen Regisseurin Christina Tscharyiski, deren Inszenierung „Ja, eh! Beisl, Bier und Bachmannpreis“ mit Texten von Stefanie Sargnagel und Musik von Voodoo Jürgens beim Dramatiker|innenfestival im Juni 2018 in Graz zu sehen war. Auch diesmal wird es wieder musikalisch, für das Dorffest passend mit Blasmusik.
Termine
Wiederaufnahme 16. Oktober 2019, 20:30 - 21:30 Uhr
17. Oktober 2019, 20:30 - 21:30 Uhr
12., 13. November 2019, 20:30 - 21:30 Uhr
19., 20. Dezember 2019, 20:30 - 21:30 Uhr
Weitere Informationen
Haus DREI

(c) Foto: Lupi Spuma
Veranstaltungsort/Treffpunkt